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Die Käse-und Fleischtheke bei Real. Bild: picture alliance/imageBROKER

Real und Kaufland: So wenig leisten sie fürs Tierwohl – ZDF deckt auf

Da kann etwas nicht stimmen mit den Deutschen und ihrem Fleisch. Das Landwirtschaftsministerium machte eine Umfrage und 86 Prozent der Konsumenten gaben an, dass ihnen eine artgerechte Haltung der Nutztiere wichtig sei.

In Supermärkten aber ist davon kaum etwas zu spüren. Überall prangen in fetten roten Zahlen Niedrigpreise. Wie viel "artgerechte" Tierhaltung kann dahinter aber stecken?

Wie genau nehmen es Supermärkte also mit dem Tierwohl? Und was bedeutet eine "artgerechte Haltung" überhaupt? Der ZDF-Einkaufscheck "Kaufland oder Real?" mit TV-Koch Nelson Müller beschäftigte sich mit genau diesen Fragen. Und er zeigt, dass beide Ketten noch einiges nachzuholen haben.

Tierwohl in Deutschland

In der Dokumentation äußerten sich die Kunden beider Supermärkte zu artgerechter Haltung: Viel Auslauf, Futter oder auch eine schmerzfreie Schlachtung seien demnach wichtig. Als Nelson Müller die Kunden jedoch fragte, ob sie denn auch wüssten, unter welchen Bedingungen ihr Fleisch produziert werde, verneinten sie.

Dabei weisen Label zumindest auf die Haltung hin. Eines davon ist der Haltungskompass, der sich etwa auf Kaufland-Produkten befindet. In vier Stufen beschreibt er, wie es um die Bedingungen in Landwirtschaftsbetrieben bestellt ist. Die niedrigste steht für Stallhaltung. Heißt: Es wurden nur die gesetzlichen Mindeststandards für den Tierschutz eingehalten. Die höchste erhalten dagegen nur Bio-Produkte. Die sind allerdings in den Fleischregalen beider Märkte unterrepräsentiert, heißt es in der ZDF-Doku.

Für die Schweine- und Geflügelzucht gibt es zusätzlich das Siegel der Initiative Tierwohl. Diese schreibt etwa vor, dass Betriebe ihren Tieren zehn Prozent mehr Platz als gesetzlich festgelegt zur Verfügung stellen. "Pro Quadratmeter leben so in der konventionellen Geflügelhaltung 23 Hühner. Ohne Siegel sind es 26", erklärt die Verbraucherschützerin Britta Schautz in der Doku.

Verglichen mit einem Bio-Hof ist das nichts: Dort passen jeweils zehn Hühner auf einem Quadratmeter.

Real verließ die Initiative

Doch nicht nur das ist problematisch. Die Vorgaben der Initiative Tierwohl beziehen sich nicht auf Aufzucht, Transport und Schlachtung – die Kontrolle bleibt in diesen Bereichen also aus. Zumindest schreibt sie Beschäftigungsmaterial für die Tiere vor: Picksteine und Schaukeln. Bei einem Jahresetat von 130 Millionen Euro zur Förderung ist das ein mageres Ergebnis.

Finanziert wird das von den beteiligten Einzelhändlern. Wollen sie Teil der Initiative werden, müssen sie Abgaben zahlen. Bei Kaufland sind es rund sechs Cent pro verkauftem Kilo Fleisch. Real, eines der Gründungsmitglieder, verließ 2016 die Initiative. watson hat nach den Gründen gefragt:

Ein Real-Sprecher gab an:

"Nachdem die beiden NGO's 'Deutscher Tierschutzbund' und 'ProVieh' ausgestiegen sind, sahen wir keine Perspektive mehr für eine erfolgreiche Kooperation."

Auch das ZDF hakte bei Real nach. Dort lautete die Antwort, dass der Mitgliedbeitrag aufgestockt werden sollte. Das hätte zu einer höheren finanziellen Belastung geführt, die sich weder imagemäßig noch ökonomisch gelohnt hätte.

Real wartet auf das staatliche Tierwohllabel

Den Haltungskompass lehnt Real ebenfalls ab. Auf eine weitere Anfrage von watson heißt es:

"Real unterstützt die Einführung eines einheitlichen Kennzeichnungssystems, wie es derzeit von der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner als dreistufiges, staatliches 'Tierwohllabel' erarbeitet wird. Das garantiert eine einheitliche Kennzeichnung mit nachvollziehbaren Standards und macht für den Kunden ersichtlich, unter welchen Bedingungen ein Tier gehalten wurde."

Real

So gut das auch klingt, das Tierwohllabel ist für Supermärkte ähnlich wie alle anderen Siegel nicht verpflichtend – und gilt vorerst nur für Schweine. Wir fragten auch bei Kaufland an, ob hier ebenfalls das Label eingeführt werden soll. Eine Antwort steht noch aus.

Das Siegel tritt voraussichtlich erst 2020 in Kraft – derzeit liegt der Gesetzentwurf dem deutschen Bundestag zur Beratung vor. Es bleibt also abzuwarten, ob Real seine Produkte am Ende mit dem Label ausstattet. Zumal der Supermarkt demnächst künftig wohl vom Handelsriesen Metro sowie Immobilieninvestor Redos übernommen wird.

(tkr)

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