Nachhaltigkeit
Ferkel im Schweinestall (Foto: picture alliance / Felbert+Eickenberg / STOCK4B / VisualEyze) | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.

So gut wie diesen Ferkeln geht es leider nicht allen ihrer Artgenossen in Deutschland. Bild: STOCK4B/VisualEyze / Felbert+Eickenberg

Gute Nachricht

Bundestag stimmt für bessere Haltungsbedingungen von Schweinen

In Sachen artgerechter Tierhaltung gibt es in Deutschland noch eine Menge Nachholbedarf. Bundestag und Bundesrat haben nun jedoch beide einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und für mehr Tierschutz gestimmt. So fordert der Bundestag von der Bundesregierung, noch bis zur Wahl 2021 eine Strategie für einen grundlegenden Umbau der Tierhaltung zu mehr Tierschutz vorzulegen. Dafür sollen auch Vorschläge zur Finanzierung gemacht werden. Das geht aus einem Antrag der Koalitionsfraktionen hervor, der mit breiter Mehrheit angenommen wurde.

Neben Union und SPD stimmten AfD und Linke dafür, FDP und Grüne enthielten sich – ein Grünen-Abgeordneter stimmte zu. Konkret fordert das Parlament, Empfehlungen einer Expertenkommission um den früheren Agrarminister Jochen Borchert "in Konsequenz und in Gänze" aufzugreifen.

Das im Februar vorgestellte Konzept sieht schrittweise höhere Haltungsstandards bis 2040 vor, um deutlich mehr Tierschutz zu erreichen und die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung zu sichern. Um den Umbau von Ställen mitzufinanzieren, schlägt die Kommission auch eine Abgabe auf tierische Produkte vor, die Verbraucher im Supermarkt zahlen sollen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte, Ziel sei "eine Art Generationenvertrag" für den Umbau der Tierhaltung.

Kompromiss zum Kastenstand

Auch der Bundesrat hat sich mit Tierhaltung befasst und nach jahrelanger Diskussion eine Änderung der Nutztierhaltungsverordnung beschlossen, die die umstrittene Fixierung von Sauen nach der Besamung in engen Kastenständen beschränkt. Nach einer Übergangszeit von acht Jahren sollen diese Stände im Deckbereich der Ställe nicht mehr zulässig sein. Sauen sollen nur noch direkt bei der Besamung fixiert werden dürfen. Generell soll bei einer Gruppenhaltung mehr Platz im Stall gewährleistet werden.

Grünen-Chef Robert Habeck verteidigte die Zustimmung der Grünen im Bundesrat zu diesem Kompromiss gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Erst die Standhaftigkeit der grün regierten Länder hat den unzureichenden Kompromiss zu einem tragbaren gemacht", so Habeck.

"Die Übergangsfrist für den Kastenstand im Deckzentrum – also dort, wo die Sauen nach der Besamung bis zu 28 Tage lange fixiert werden – beträgt acht Jahre. Aber, und das ist der entscheidende Unterschied: Nach diesen acht Jahren ist dieser Kastenstand in Deutschland Geschichte", sagte Habeck dem RND. "Dann leben die Sauen in einer Gruppe und werden für die Besamung nicht mehr wochenlang einzeln eingepfercht. Dafür haben Tierschützer lange gekämpft, damit ist ein Systemwechsel eingeleitet, das haben wir erreicht", betonte er.

(ftk/dpa)

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