Woman hands holding two chocolate Easter rabbits, one with a bite

1,1 Kilo Schokolade verputzt jeder vor uns rund um Ostern. Bild: iStockphoto / rfranca

Menschenrechte, Kinderarbeit, Abholzung: So fair und nachhaltig ist die Osterschokolade von Ferrero, Ritter Sport und Lindt

Eier, Osterhasen, Küken: Sie alle haben derzeit Hochsaison in Form von Schokolade. Rund 1,1 Kilo Schokolade isst jeder von uns rund ums Osterfest. Dabei landen vor allem die großen Marken im Nest: Vom Lindt-Hasen über Merci und Milka bis zu Rittersport, Ferrero und Kinderschokolade ist wohl auch in diesem Jahr wieder alles mit dabei.

Geschmacklich können die großen Schokohersteller punkten, sonst würden ihre Schokohasen nicht jedes Jahr wieder ihren Weg in unsere Osternester finden. Aber: Was tun sie gegen Kinderarbeit und die Abholzung der Regenwälder? Wie steht es um Menschenrechte und Transparenz entlang der Lieferkette?

Das entwicklungspolitische Inkota-Netzwerk hat gemeinsam mit weiteren NGOs den ersten Schoko-Check gemacht und die führenden Marken genau unter die Lupe genommen. Das Fazit ist ernüchternd: "Keiner der Marktführer kann Schokolade ohne Armut und Kinderarbeit garantieren." Die großen Produzenten landen allesamt nur im Mittelfeld. "Gerade, wenn es um die Zahlung existenzsichernder Kakaopreise geht, zeigt sich, dass die großen Unternehmen dazu nicht bereit sind", so Johannes Schorling, Referent für Wirtschaft und Menschenrechte bei Inkota.

Tony's Chocolonely vorn, "faules Ei" für Merci und Toffifee

Für den Check wurden 31 Schkoloadenunternehmen und Kakaoverarbeiter befragt. Zusammen produzieren sie etwa 80 Prozent der weltweiten Süßwaren. Von den befragten Unternehmen zahlt nur der niederländische Schokoladenhersteller Tony's Chocolonely für seinen gesamten Kakao den Referenzpreis für existenzsichernde Einkommen, der von Fairtrade ausgerechnet wurde.

Die Schokolade von den Niederländern liegt auch in der Gesamtwertung ganz vorne. Tony’s Chocolonely bekommt in den Kategorien menschenrechtliche Sorgfalt, Transparenz und Rückverfolgbarkeit, existenzsicherende Einkommen, Kinderarbeit, Waldzerstörung und Klimawandel jeweils ein grünes Ei – und steht damit ziemlich alleine da. Nur im Punkt Agroforstwirtschaft ist noch Luft nach oben. Insgesamt reicht es aber als einzige Marke für einen grünen Hasen in der Gesamtwertung und für das "goldene Ei für besonderes Engagement für Nachhaltigkeit".

Das wenig ruhmreiche faule Ei für fehlende Transparenz bekommt dagegen der deutsche Süßwarenhersteller Storck ins Nest gelegt, aus dessen Haus unter anderem Merci und Toffifee stammen – das Unternehmen hat sich als einziges nicht an der Befragung beteiligt. "Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht zu erfahren, ob in ihrer Schokolade Armut und Kinderarbeit stecken", kritisiert Schorling. "Wenn man sich nicht mal die Mühe macht, für ein Minimum an Transparenz zu sorgen, dann ist das faule Ei eine mehr als passende Auszeichnung."

Und die anderen Unternehmen? Tummeln sich irgendwo im gelben Mittelfeld, lassen also gute Ansätze erkennen, zeigen aber auch noch viel Luft nach oben. Relativ weit oben spielt Ritter Sport mit – richtig gepunktet wird hier aber nur im Engagement gegen den Klimawandel. Bei Lindt dagegen gibt es "erheblichen Verbesserungsbedarf" bei der menschenrechtlichen Sorgfalt.

Mondelez – die mit Milka einen der bekanntesten Hasen zu Ostern in die Supermarktregale hoppeln lassen – leuchtet es tiefrot bei der Agroforstwirtschaft, ebenso wie bei Nestlé, die gleichzeitig bei Transparenz und Rückverfolgbarkeit viel aufzuholen haben. Mars hat gleich in drei Bereichen erheblichen Aufholbedarf und Stollwerk – dazu gehört unter anderem Sarotti-Schokolade – fällt komplett durch: In praktisch jeder Kategorie besteht großer Aufholbedarf, bei den menschenrechtlichen Standards gibt es sogar das rote Ei für besonders schwache Leistung oder keine Transparenz.

Faire Schokolade kann sich bislang nicht durchsetzen

"Es ist frustrierend: Seit 20 Jahren verspricht die Schokoladenindustrie, für Nachhaltigkeit zu sorgen. Doch die großen Unternehmen sind vom grünen Bereich immer noch weit entfernt", kommentiert Schorling. Trotz einiger Fortschritte gebe es vor allem beim Kampf gegen Kinderarbeit und bei der Zahlung fairer Preise noch großen Handlungsbedarf. Schon im vergangenen Jahr hatte eine Studie des Netzwerks gezeigt, dass Kinderarbeit beim Kakaoanbau in Westafrika weit verbreitet ist.

Wer Kinderarbeit vermeiden möchte, sollte also am besten zu fairer Schokolade greifen – die sich auf dem Markt aber bei weitem noch nicht durchgesetzt hat. Der Marktanteil liegt gerade einmal bei acht Prozent.

Die Vorreiter in puncto Fairness – GEPA, Tony’s Chocolonely und fairafric – werden übrigens von Inkota in einer gesonderten Auflistung ebenfalls gegenübergestellt und verglichen. Gepa und Fairafric schneiden dabei noch einmal ein Stückchen besser ab als der Vorreiter bei den großen Marken aus den Niederlanden, der beim ökologischen Anbau noch hinterherhinkt.

Die größte Auswahl an fairer Schokolade gibt es in Weltläden, aber auch in vielen Supermärkten und Discountern hat sie inzwischen ihren Weg in die Regale gefunden. Suchen lohnt sich also auch schon beim Ostereinkauf.

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