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Jede dritte Rose in Deutschland kommt bereits aus fairem Handel. Bild: www.imago-images.de / Artjazz

Fairliebt am Valentinstag: Worauf du beim Rosenkauf achten solltest

Die plötzlich explodierende Anzahl von Rosen in Schaufenstern, Supermärkten und auf Werbeflächen brüllt es uns entgegen: Der Valentinstag naht. Und während die einen an dieser Stelle schon genervt die Augen verdrehen, ist ein Valentinstag ohne symbolträchtige Liebesbekundungen für andere unvorstellbar. Wer den Drang verspürt, den oder die Liebste mit dornigen Schnittblumen zu beglücken, sollte allerdings fair gehandelte Rosen kaufen. Die sorgen nicht nur dafür, dass die Rosen unter fairen Bedingungen – etwa beim Lohn – angebaut wurden, sondern auch dafür, dass weniger Chemikalien eingesetzt werden.

Zwei schlechte Nachrichten vorweg: Rosen in Bio-Qualität ganz ohne Chemie existieren nicht. Die, die ihr an der Tankstelle oder im Supermarkt bekommt, haben ihre makellos wohlgeformten Blütenblätter jedenfalls nicht nur durch Luft und Liebe erhalten. Damit diese außerdem nicht völlig verwelkt bei uns ankommen, werden die Rosen wenig klimafreundlich mit dem Flugzeug zu uns gebracht. Vier von fünf hierzulande verkauften Blumen werden aus dem Ausland importiert – hauptsächlich aus afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern.

Warum die Rosen überhaupt einen so weiten Weg hinter sich haben? Das feuchtwarme Klima in Anbauländern wie Tansania, Kenia und Äthiopien ist für die Blumen schlicht besser geeignet als die deutlich niedrigeren Temperaturen bei uns. In beheizten Gewächshäusern können die Blumen zwar auch bei uns ganzjährig gedeihen – im Blumenhotspot Niederlande tun sie das auch vermehrt – ihr ökologischer Fußabdruck verringert sich dadurch aber nicht.

Im Gegenteil: Eine Studie der Schweizer Max-Havelaar-Stiftung zeigte, dass eine fair gehandelte Rose aus Kenia trotz ihres weiten Wegs weniger negative Auswirkungen auf die Umwelt hat als eine konventionell gezüchtete Rose aus einem niederländischen Gewächshaus. Das könnte sich allerdings ändern, wenn die niederländischen Züchter auf erneuerbare Energien zum Heizen ihrer Treibhäuser umsteigen würden.

Ganz ohne Chemie geht's nicht

Zusätzlich problematisch ist, dass Rosen ihre Schönheit einem kleinen Eingriff zu verdanken haben. "Die Rosen wachsen in Monokulturen in Gewächshäusern. Damit sie von den Verbraucherinnen und Verbrauchern gekauft werden, müssen sie perfekt aussehen, ohne Chemikalien geht es deshalb nicht. Schließlich wachsen die Rosen in einem feuchtwarmen Klima, wo sich leicht Pilze und Schädlinge ausbreiten", sagt Edith Gmeiner von Fairtrade Deutschland im Gespräch mit watson.

Bei Fairtrade müssen die Plantagen den Einsatz aber so weit wie möglich reduzieren. So gibt es eine Liste mit verbotenen Mitteln, andere wiederum sind in gewissen Mengen erlaubt. Schutzanzüge sollen dafür sorgen, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter beim Hantieren mit diesen nicht gefährdet werden. Und um Wasser in den ohnehin trockenen Regionen zu sparen, werde dieses wiederaufbereitet. Oder es wird auf eine von vorneherein sparsame Tröpfchenbewässerung gesetzt.

Zusätzlich bezahlt Fairtrade den Arbeitern eine Prämie, von der sie einen Teil in Gemeinschaftsprojekte wie Schulen oder Fortbildungen stecken, über die sie aber frei verfügen können. Und die Prämie machte sich insbesondere in der Corona-Pandemie bezahlt. "Im ersten Lockdown, als teilweise gar keine Rosen mehr exportiert werden konnten, konnte die Prämie genutzt werden, um Lohnausfälle zu kompensieren", sagt Gmeiner. "Das hatten nicht zertifizierte Betriebe nicht."

Fairtrade möchte außerdem die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen verbessern. Arbeitsverträge werden so ebenso durchgesetzt wie feste Arbeitszeiten. "Und weil rund 45 Prozent der Beschäftigten weiblich sind, sorgen wir mithilfe der Standards dafür, dass es einen Mutterschutz gibt und schwangere Frauen ihren Job nicht verlieren." Gender-Kommitees kümmern sich um Schutz, die Förderung und die Selbstbestimmung von Mitarbeiterinnen.

Jede dritte Rose ist Fairtrade

Es ist also durchaus von Bedeutung, welches Blümchen ihr eurer Partnerin oder eurem Partner schenkt. Wie gut, dass die Suche nach einer fair gehandelten Rose inzwischen deutlich einfacher ist als die nach der großen Liebe. Denn bereits jede dritte in Deutschland verkaufte Rose ist mit dem Siegel zertifiziert. "Dass sich Fairtrade-Rosen so gut durchgesetzt haben, liegt an der Auswahl", sagt Edith Gmeiner. "Ein Fairtrade-Kaffee muss sich im Supermarkt gegen 20 andere Kaffeesorten durchsetzen. Wenn Rewe oder Edeka aber beschließen, ihre Rosen auf Fairtrade umzustellen, gibt es nicht so viel Konkurrenz."

Flowerpower-Kampagne für Frauenrechte

Vom 14. Februar bis zum 14. März macht Fairtrade mit der Flowerpower-Kampagne auf fair gehandelte Rosen und insbesondere auf die Rechte von Frauen im globalen Süden aufmerksam – mit Blumenpostkarten, Rosenaktionen, Popup-Stationen und dem Hashtag #SagsMitFairtrade. Mehr Infos zu der Aktion gibt es hier.

Wer länger etwas von seiner Rose haben möchte, kann die Schnittblumen übrigens auch trocknen und so zur Dauer-Deko machen, oder die getrockneten Blütenblätter in selbstgemachter Seife oder Badesalz verarbeiten. Oder der Schenkende sorgt dafür, dass sie gar nicht erst verblüht – indem er einen kleinen Rosenstrauch im Topf verschenkt. Hat auch ein bisschen mehr von ewiger Liebe als eine Blume, die nach einer Woche verblüht ist.

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