Joko Winterscheidt mit seiner JOKOLADE

Joko Winterscheidt bezeichnet sich selbst als Schokoladenjunkie. bild: Jokolade

"Endlich kann ich mit meinem Namen etwas Sinnvolles machen": Joko macht jetzt Jokolade – wir haben sie getestet

E-Bikes, eine Zeitschrift, einen Butler-Service und einen Mobilfunktarif: Joko Winterscheidt hat in den vergangenen Jahren so manches Projekt abseits der TV-Bühne angepackt, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Jetzt hat der Entertainer, der sich selbst als Schokoladen-Junkie bezeichnet, nicht ganz uneigennützig ein neues Produkt auf den Markt gebracht: Schokolade – oder besser gesagt Jokolade. "Endlich kann ich mit meinem Namen etwas Sinnvolles machen", freut er sich.

Sinnvoll deshalb, weil es sich bei der Jokolade nicht um irgendwelche Schokolade handelt – sondern um fair gehandelte. "Missstände in der Kakao-Industrie waren bislang kein großes Thema, das kommt gerade erst auf", sagt Joko gegenüber watson. "Bei Kaffee kennt man dieses Thema schon lange, aber nicht bei Schokolade. Ich sehe es ja an mir selber, ich musste 39 Jahre alt werden, bis ich davon Wind bekommen habe."

Fakt ist: Fairer Kakao wird in Deutschland schon seit 1995 verkauft. Wer in der Nachhaltigkeits-Bubble unterwegs ist, für den ist das Thema also alles andere als neu. Trotzdem sind bisher nur etwa acht Prozent des in er deutschen Schokoladenindustrie verarbeiteten Kakaos fair gehandelt.

Warum es nicht mehr sind? "Das liegt unter anderem an den Konsumenten, die noch nicht kaufen, weil sie, in meinen Augen, noch nicht ausreichend informiert wurden", sagt Joko. Vor zwei Jahren gehörte er selbst noch zu dieser uninformierten Masse. "Keinerlei Bewusstsein für Themen wie Klimawandel oder Ähnliches" habe er damals gehabt.

Dabei hat es weitreichende Folgen, welche Schokolade wir abends auf der Couch verdrücken: Denn der Kakaoanbau sichert laut Fairtrade Deutschland den Lebensunterhalt von über 14 Millionen Menschen. In den Hauptanbaugebieten in Westafrika wird er zu 90 Prozent in kleinbäuerlichen Betrieben angebaut – ein existenzsicherndes Einkommen erreichen die Bauern mit ihrer Arbeit aber häufig nicht, leben oft deutlich unter der absoluten Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar am Tag.

Kinderarbeit bei Schokolade weit verbreitet

Die Folge: Die Kinder müssen mithelfen – Kinderarbeit ist vor allem in Westafrika weit verbreitet. "Verbraucher in Deutschland müssen davon ausgehen, dass in ihrer Schokoladentafel mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbeuterische Kinderarbeit steckt", schreibt das entwicklungspolitische Inkota-Netzwerk mit Blick auf eine Studie des National Opinion Research Center (NORC) der Universität Chicago.

Überflüssig wird die Kinderarbeit dann, wenn faire und existenzsichernde Löhne im Kakaoanbau bezahlt werden. Joko wirbt damit, dass seine Schokolade zu 99,2 Prozent fair gehandelt ist – 100 Prozent faire Schokolade gebe der Markt aktuell nicht her, sagt er.

"Der für unsere Jokolade verwendete Kakao stammt zu mehr als 99 Prozent aus der Tony’s Open Chain, der transparentesten und fairsten Art des Kakaohandels weltweit." Dort wird den Bauern nach eigener Angabe eine Partnerschaft von mindestens fünf Jahren zugesagt, sodass diese langfristig investieren können, in landwirtschaftliche Geräte etwa, in Schulungen oder in neue Setzlinge. Außerdem gibt es 20 Prozent mehr Lohn. "Nur für eine Zutat, den Brownie in Jokolade No 4, wird noch anderer Kakao verwendet. Dieser ist trotzdem fair gehandelt und Fairtrade."

Die Jokolade ist deshalb auch mit dem offiziellen Fairtrade-Siegel ausgezeichnet – an dem unabhängigen Siegel kann man sich beim Einkauf im Supermarkt immer orientieren.

Bild

Sehen ähnlich aus, rufen aber ganz unterschiedliche Empfindungen hervor: Jokolade No 2 und 3. bild: watson

Mit reinem Gewissen können wir die Schokolade also verputzen. Bleibt die Frage: Schmeckt sie auch? Bei Rewe gibt es ab sofort vier verschiedene Sorten, die in Knallfarben und mit großen, poppigen Lettern im Schokoregal um unsere Aufmerksamkeit buhlen:

Die Tafeln sind jeweils in dicke Riegel unterteilt, und damit wir nicht vergessen, woran wir da gerade knabbern, prangt auf jedem davon ein dickes "Jokolade". Und es gibt noch etwas fürs Auge: In der Verpackung jeder Sorte verbirgt sich ein Motiv der Künstlerin Hell Gette.

Als Erstes geht es in unserem Test der weißen Schokolade an den Kragen – die sofort einen Daumen nach oben bekommt. Besonders lecker: Lutscht man die Schokolade, bleiben am Ende nur noch die karamellisierten Haselnüsse übrig. Auch die Milchschokolade mit Coffee-Biscuits und Toffee überzeugt uns mit ihrem Crunch und der Extraportion Karamell. Die Schokolade mit Birne und Brownie kommt ebenfalls ganz gut an, bei Banane-Karamell scheiden sich in der Redaktion die Geister. Ist halt wie so oft: Alles eine Frage des Geschmacks.

"Hier läuft etwas massiv falsch"

Ab sofort gibt es also eine faire Schokolade mehr im Supermarktregal – und das ist jeden Fall eine Entwicklung in die richtige Richtung. "Warum sollte einer der großen Player sagen: 'Ey, hier läuft etwas massiv falsch!' Die haben dieses System geschaffen", sagt Joko. "Wir hoffen, dass wir hier einen Stein ins Rollen bringen." Oder eher, dem bereits rollenden Stein noch mehr Schwung zu geben. Denn natürlich gibt es bereits eine Menge anderer fair gehandelter Schokoladen: von Gepa zum Beispiel oder von Plant for the Planet, auch Aldi und Rewe führen bei ihren Eigenmarken bereits faire Schokolade.

Auch abseits seiner Schokoleidenschaft versucht Joko inzwischen nachhaltiger zu leben: "Ich versuche schon darauf zu achten, mein Leben etwas anders zu leben als vielleicht noch vor zwei Jahren", sagt er. Was er genau tut, um seinen Alltag nachhaltiger zu gestalten, verrät er nicht. Nur so viel: "Ich bin sicherlich nicht perfekt und auch nicht frei von Fehlern, aber ich finde auch nicht, dass jeder von heute auf morgen sein Leben um 100 Prozent drehen muss. Die Schritte eines jeden Einzelnen sind in der Summe spürbar." Und die Bisse in fair gehandelte Schokoladentafeln auch.

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