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Superstar Philippe Coutinho (l.) kennt schon die ganze Welt – Alphonso Davies arbeitet beim FC Bayern München mit ordentlich viel Tempo daran. Bild: Bernd Feil/M.i.S. via www.imago-images.de

Analyse

Wie sich Alphonso Davies klammheimlich zu Bayerns Spielgestalter entwickelte

Alphonso Davies ist erst 19 Jahre alt, hat nur 23 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel und trotzdem schwärmen Fans wie Verantwortliche von Bayern München vom Kanadier. Innerhalb kürzester Zeit hat er sich zu einem wichtigen Baustein der Mannschaft entwickelt.

constantin eckner

Als Alphonso Davies vor mehr als einem Jahr zu Bayern München wechselte, sorgte der Transfer für wenig, aber doch vernehmbares Aufsehen. Immerhin kostete ein für die meisten unbekannter Teenager aus dem Fußball-Niemandsland Kanada rund zehn Millionen Euro an Ablöse. Davies‘ Verpflichtung wirkte wie eines jener Bayern-Experimente, die nicht selten im Sande verlaufen. Aktuell droht das beispielsweise beim Mittelfeldspieler Mickaël Cuisance der Fall zu sein.

Auch Davies fristete zunächst ein Reservistendasein und kam bei seinen Kurzeinsätzen zunächst als Außenstürmer zum Einsatz. Der Linksfuß schien für eine offensive Rolle und als möglicher Nachfolger der arrivierten Flügelspieler eingeplant zu sein. Dieses Bild verstärkte sich auch zu Beginn dieser Saison – bis die Bayern die Verletzungsseuche in der Abwehr ereilte. Seit Oktober ist Davies nun unangefochtener Stammspieler, allerdings in der Abwehr und nicht etwa in der Angriffsreihe.

Davies in seiner Rolle als Linksverteidiger ermöglicht es wiederum David Alaba, in der Innenverteidigung auszuhelfen. Wobei Alaba mittlerweile mehr als nur eine Aushilfe ist und sich langsam zum Abwehrchef entwickelt. Natürlich sorgte eine solche, anfänglich als Notlösung betrachtete Variante nicht unbedingt für defensive Stabilität, aber Davies und Alaba haben sich in ihre Rollen eingearbeitet. Der erfahrene Alaba konnte sich jedoch schon unter Pep Guardiola des Öfteren in der Abwehrzentrale versuchen, Davies hingegen musste sich nicht nur an das Niveau der Bundesliga gewöhnen, sondern auch noch das Einmaleins des Linksverteidigers lernen.

Soccer Football - Bundesliga - Bayern Munich v RB Leipzig - Allianz Arena, Munich, Germany - February 9, 2020  Bayern Munich's Alphonso Davies with Bayern Munich interim coach Hansi Flick  REUTERS/Andreas Gebert  DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video

Bayern-Trainer Hansi Flick entwickelte Alphonso Davies zu einem der besten Außenverteidigern der Bundesliga. Bild: reuters / ANDREAS GEBERT

Davies ist ein Spielmacher wie Kimmich

Doch genau diese Aufgabe hat er mit Bravour gemeistert. Mittlerweile geht es nicht mehr um die Frage, ob Davies als Außenverteidiger Schaden für die eigene Defensive anrichten könnte, und stattdessen darum, welchen hohen Einfluss er gerade auf die Spielgestaltung der Bayern nimmt. Statistisch ragt Davies dabei nicht nur beim FC Bayern München, sondern ligaweit heraus. Wenn man etwa seine Beteiligung an Torschüssen anhand des Expected-Goals-Models – also anhand des statistischen Modells, wonach Torschüsse an ihrer Erfolgswahrscheinlichkeit gemessen werden – betrachtet, dann ist Davies der beste Akteur im Spielaufbau in der gesamten Bundesliga. Er liegt mit einem Wert von 1,25 pro Partie noch vor Joshua Kimmich.

Und mit Kimmich hat er auch einiges gemein. Der deutsche Nationalspieler darf sich mittlerweile zumeist im zentralen Mittelfeld austoben und von dort aus das Spiel der Bayern ankurbeln, aber als Rechtsverteidiger versuchte er ebenso mit seinen Pässen und Dribblings das gegnerische Pressing zu umspielen und die bayerischen Angriffe hinter die ersten Defensivlinien zu führen. Davies hat einen ähnlichen Einfluss auf Bayerns Offensive.

Davies ist eine intelligente Tempomaschine

Allerdings stachen bei Kimmich vor allem seine Spielintelligenz und Agilität hervor. Bei Davies ist es gerade das Tempo und die Dynamik, mit der er so oft brilliert. Dass er allerdings auch immer besser versteht, ein Spiel zu lesen, macht ihn umso wertvoller. Als Davies noch in der Major League Soccer für die Vancouver Whitecaps spielte und die Bayern auf ihn aufmerksam wurden, war er vor allem pfeilschneller Außenbahndribbler. Starke Tempodribblings in der gegnerischen Hälfte gehören immer noch zu seinem Repertoire, aber er kombiniert dieses Spiel mit anderen Elementen – etwa diagonale Bewegungen zum Strafraum und attackierende Flachpässe in die Schnittstellen der gegnerischen Abwehr.

Davies wird jedoch auch zugestanden, dass er sich unablässig in die Offensive einschalten darf. Beim letzten Spiel der Bayern gegen RB Leipzig wurde beispielsweise deutlich, wie hoch seine Präsenz im letzten Spielfelddrittel im Vergleich zum defensiveren Rechtsverteidiger Benjamin Pavard ist, aber auch welche Gefahr diese Spielweise für die Bayern birgt. In der ersten Halbzeit konnte Davies die recht schwachen Konterangriffe der Leipziger noch wegverteidigen. In Erinnerung blieb wohl vielen, wie er Dani Olmo regelrecht überrannte und den Ball bei einem Konterversuch abluchste.

Spielweise von Davies birgt auch Gefahren

Als Leipzig in der zweiten Hälfte stärker wurde und mit mehr Risiko seine eigenen Konterversuche auszuspielen versuchte, war Davies nicht mehr immer im Bilde. Seine Spielweise kann gelegentlich nach hinten losgehen. Der 19-Jährige verursacht – teilweise durch unsaubere Ballannahmen – recht häufig Ballverluste, wie auch die Statistik oben zeigt. Er lässt zudem oftmals viel Platz in seinem Rücken, in den dann schnelle Außenstürmer stoßen können. Das hat damit zu tun, dass er als Linksverteidiger keine Hemmungen hat, immer wieder bis tief an den gegnerischen Strafraum vorzudringen.

Soccer Football - Bundesliga - Bayern Munich v RB Leipzig - Allianz Arena, Munich, Germany - February 9, 2020  Bayern Munich's Alphonso Davies in action with RB Leipzig's Konrad Laimer   REUTERS/Kai Pfaffenbach  DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video

Offensiv kaum zu stoppen: Leipzigs Konrad Laimer kann beim Tempo von Alphonso Davies nicht mithalten. Bild: reuters / KAI PFAFFENBACH

Insofern stellt sich für die Bayern und gerade Bayern-Trainer Hansi Flick die Frage, ob Davies seine Spielweise ein wenig herunterfahren muss, wenn es beispielsweise in der Champions League gegen Chelsea und dessen talentierte Offensivreihe geht. Gegen den ärgsten Verfolger RB Leipzig war davon nichts zu sehen.

Eine Rückkehr von Davies auf eine offensivere Position wirkt indes unnötig, weil der Kanadier derart einzigartige Qualitäten für einen Außenverteidiger hat, dass die Bayern davon wie schon in den vergangenen Monaten ungemein profitieren können. Das Branchenportal transfermarkt.de erhöhte den Marktwert des 19-Jährigen gerade erst von 25 auf 40 Millionen Euro – damit steht der Shootingstar schon auf Platz Sieben der teuersten Linksverteidiger der Welt. Und der FC Bayern hat nach Philipp Lahm, David Alaba und Joshua Kimmich den nächsten Star auf der Außenverteidiger-Position geformt.

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