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Joachim Löw hat derzeit massive Verletzungssorgen. Bild: imago images / Jan Huebner

Analyse

14 verletzte Spieler! Löw merkt gerade, dass er einen großen Fehler gemacht hat

Vor den Spielen gegen Argentinien und Estland plagen Joachim Löw noch nie dagewesene Verletzungssorgen. Die endgültige Ausbootung von Hummels, Müller und Boateng könnte ihm nun zum Verhängnis werden.

Wenn Deutschland am Mittwochabend gegen Argentinien spielt, lohnt sich ein Blick auf die Liste, die derzeit bei Joachim Löw auf dem Schreibtisch liegt. Kroos, Sané, Draxler, ... – Jogis Liste ist ziemlich glamourös – und deswegen umso bitterer. Sie liest sich wie eine Mannschaft, die die Europameisterschaft gewinnen könnte, dabei handelt es sich schlicht und einfach um die ellenlange Krankenakte der Nationalmannschaft.

Auf der Ausfallliste stehen auch Timo Werner von RB Leipzig, Jonathan Tah von Bayer Leverkusen und Ilkay Gündogan von Manchester City. Diese Profis sind zumindest für die erste Begegnung noch nicht fit. Angeschlagen ist auch Marco Reus, vermeldete Joachim Löw auf der Pressekonferenz am Dienstagmittag in Dortmund. Beim BVB-Kapitän entscheide es sich erst am Mittwoch, ob er spielen kann.

Dazu kommen zehn Spieler, die schon vor der Länderspielpause schon verletzt absagen mussten:

"Die Gesamtlage ist angespannt und unerfreulich", sagte Löw vor dem Test gegen Argentinien (Mittwoch) und dem wichtigen EM-Qualifikationsspiel gegen Estland (Sonntag). "So habe ich es mir nicht erhofft und erwünscht. So viele Absagen hat es in der Vergangenheit selten oder nie gegeben." Er schmälerte auch gleich die Erwartungen für die kommenden zwei Spiele: "Es wird schwierig sein, ganz große Erwartungen an die Mannschaft zu haben, was Automatismen angeht", so Löw.

Löw nominiert wegen der Ausfälle Neuling Koch und Rückkehrer Rudy nach

Für die Ausfälle nominierte er zwei Profis nach: Der Hoffenheimer Sechser Sebastian Rudy kehrt nach einem Jahr zurück in die Nationalmannschaft, dazu berief Löw den Freiburger Innenverteidiger Robin Koch erstmals. Dazu kommen die zwei Debütanten Suat Serdar (FC Schalke) und Nadiem Amiri (Leverkusen) für die Offensive.

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Die neue Generation: Suat Serdar (r.) und Luca Waldschmidt. Bild: www.imago-images.de

Auf der Pressekonferenz erklärte Löw zu der Nachnominierung von Rudy, dass dieser für den Tabellenzwölften in der laufenden Saison alle Spiele von Anfang an gemacht habe und zudem das System Löw kenne: "Er kennt unsere Abläufe, und es war mir wichtig bei einer Nachnominierung, dass sie (die nominierten Spieler, d. Red.) Erfahrung mitbringen und die Automatismen kennen", so Löw. Ein Spieler, auf den diese Beschreibung auch zutrifft, ist Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels. Der wurde allerdings Anfang des Jahres von Löw mit den Bayern-Spielern Jérôme Boateng und Thomas Müller aus der Nationalmannschaft aussortiert.

Löw will Mats Hummels trotzdem keine zweite Chance in der DFB-Elf geben

Hummels spielte – bis auf ein Bundesligaspiel – immer für den BVB in der Bundesliga. Beim 0:0 gegen den FC Barcelona in der Champions League hielt er mit 100 Prozent gewonnenen Zweikämpfen Stars wie Messi, Griezmann und Suarez in Schach. Der wieder aufblühende BVB-Star ist für Löw aber kein Thema.

Barcelona's Luis Suarez, right, and Dortmund's Mats Hummels fight for the ball during the Champions League Group F soccer match between Borussia Dortmund and FC Barcelona in Dortmund, Germany, Tuesday Sept. 17, 2019. (AP Photo/Martin Meissner)

Keine Chance gegen Hummels: Barcelonas Luis Suarez sah gegen den Ex-Nationalspieler kein Land. Bild: AP / Martin Meissner

Schon am Montag hatte Löw klar gemacht, dass er sich trotz des aktuellen Personalnotstandes gegen ein Comeback des ausgebooteten 30-Jährigen ausspricht. "An ihn habe ich nicht gedacht", sagte Löw bei der Ankunft in Dortmund hinsichtlich einer Nachnominierung von Hummels nach den Ausfällen der Innenverteidiger Ginter und Tah. "Ich habe vor einigen Wochen gesagt, dass wir erstmal unseren Weg mit den jungen Spielern gehen. Es gibt jetzt keine Veranlassung, den Mats zu nominieren", sagte Löw. Das könnte Löw nun auf die Füße fallen.

Löw wird sein eigenes Vorgehen zum Verhängnis

Das Problem für Löw: Er weiß, dass er trotz der vielen Verletzungen nicht zurück kann. Die harte Entscheidung im Frühjahr, die drei verdienten Weltmeister ohne Möglichkeit auf eine Rückkehr einfach rauszuwerfen, ist endgültig. Würde er einen Ehemaligen zurückholen, würde er seiner Entscheidung von damals selbst widersprechen und sich somit schwächen.

Mit dem Freiburger Robin Koch hat Löw sicherlich einen guten Verteidiger für die Zukunft nachnominiert, doch als Nationaltrainer muss Löw die bestmögliche Mannschaft nominieren. Das tut er nicht. Koch hat mehr Regional- und Rheinlandliga-Spiele als Bundesligapartien auf dem Konto – der erfahrene Hummels spielt seit Jahren Saison für Saison Champions League.

Robin Koch steht gegen Argentinien in der Startelf:

In der Innenverteidigung soll neben dem gesetzten Bayern-Star Niklas Süle ein Herthaner spielen: "Niklas Stark wird von Beginn an spielen", so Löw. Für den ehemaligen Nürnberger wäre es das erste Spiel für die Nationalmannschaft – auch ihm fehlt die Erfahrung.

Selbst bei Thomas Müller kann man die Frage stellen, ob der Allrounder in der geschwächten deutschen Offensive nicht helfen könnte. Müller ist derzeit beim FC Bayern zwar kein Stammspieler, doch er brachte als Einwechselspieler mit vier Vorlagen und einem Tor in acht Spielen in der Bundesliga und in der Königsklasse stets starke Leistungen. Er ist ein Mann, der Spiele als Joker entscheiden kann. Seine Erfahrung von 100 Spielen mit der Nationalelf hat in der Offensive niemand.

Reus spricht sich für Hummels aus

Löw gab auf der Pressekonferenz zu: "Wir haben jetzt Spieler, die relativ neu oder ganz neu sind. Das macht die Sache in Hinblick auf die EM 2020 schon schwieriger." Und weiter: "Ganz optimal ist es in den letzten Monaten nicht gelaufen."

Am Ende kann man erst nach der EM 2020 beurteilen, ob Löw richtig lag. Schon vorher kann sein Handeln jedoch schief gehen: Die DFB-Elf muss gegen den punktlosen Tabellenletzten Estland unbedingt gewinnen. Zwar steht die DFB-Elf mit zwölf Zählern punktgleich mit Nordirland auf Platz eins der Tabelle, doch dahinter warten die Niederländer mit neun Punkten und einem Spiel weniger. Nach der 2:4-Niederlage gegen Oranje muss die DFB-Elf unbedingt gewinnen, um nicht noch mehr unter Druck zu geraten.

Löws Entscheidung für diese wichtigen Spiele die Aussortierten nicht zu berufen, teilen offenbar auch manche Nationalspieler nicht. BVB-Kollege und Nationalspieler Reus meinte jüngst angesprochen auf Hummels: "Aufgrund seiner Leistungen ist er immer herzlich willkommen und würde jede Mannschaft stärker machen. Aber ich bin nicht in der Position, das zu entscheiden." Das muss Löw tun – für maximalen Erfolg.

(bn)

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