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Union in der Bundesliga? Jörg Steinberg war skeptisch, was den Aufstieg in die Beletage angeht. Jetzt findet er es eigentlich gar nicht so schlecht... Bild: foto: ulrike kretschmer

Interview

Union Berlin in der Bundesliga? Dieser Fan war skeptisch – das sagt er jetzt

Vor dem Rückspiel der Relegation am Montagabend hatten wir mit Jörg Steinberg gesprochen. Der langjährige Fan von Union Berlin erzählte uns, dass er nicht um jeden Preis aufsteigen will – Union in der Bundesliga? Steinberg war skeptisch. Kommerz vs. Fußball-Romantik und die Sorge, die Wurzeln, die den Ostberliner Club ausmachen, verlieren zu können.

Nun ist Union tatsächlich zum ersten Mal in die erste Bundesliga aufgestiegen. Wir haben nochmal mit Jörg Steinberg gesprochen...

watson: Du warst sehr skeptisch, was einen Aufstieg deines Herzensclubs Union Berlin in die Bundesliga angeht: Jetzt ist Union offiziell Bundesligist. Wie fühlt es sich heute an, nachdem du zwei Nächte drüber schlafen konntest?

Steinberg: Wer hat denn gesagt, dass ich zwei Nächte geschlafen habe? (lacht) Es fühlt sich gut an, wunderschön. Für viele Fans wird ein Traum wahr. Ich habe viele dickbäuchige, kräftige Männer weinen sehen, daneben Frauen, die sie trösten mussten. Es war wirklich ein ganz besonderer Abend und so laut wie selten im Stadion. Trotzdem schwingen jetzt immer noch Sorgen mit, aber die betreffen ja nicht nur Union, sondern die Entwicklung der Fußballmaschinerie an sich...

Jörg Steinberg

Jörg Steinberg ist der Regisseur zweier Theaterstücke über den Fußballclub Union Berlin. "Und niemals vergessen – Eisern Union!" (2006) sowie "Wir werden ewig leben!" (2016) werden in Köpenick aufgeführt. In "Und niemals vergessen – Eisern Union!" bringt er die Vereinsgeschichte und die Fankultur auf die Bühne. In dem neueren Stück dagegen wagt er einen kritischen Blick in die Zukunft des Ostberliner Vereins.

Eine Sorge von dir war, dass Union Berlin im Konzert der Großen das verlieren könnte, was den Verein auszeichnet, und viele neue Fans alte Fans verdrängen könnten. Wie kann Union bewahren, was verloren gehen könnte?

Der Verein versucht es schon über den Ticketverkauf zu regeln, zum Beispiel, indem er weiter Vereinsmitglieder und Dauerkarteninhaber bevorzugt. Man muss versuchen, die Ticketpreise für diejenigen stabil zu halten, die von Anfang an dabei waren. Nicht, dass jemand sagt: "Ich kann mir das nicht mehr leisten". Union muss auch in der Alten Försterei bleiben. Es gibt Stimmen, die sagen, dass man doch ins Olympiastadion ausweichen könnte, wenn die Bayern kommen. Damit man mehr Leuten dieses Live-Event bieten kann. Das ist die Krux, das sind die moralischen Fragen, vor die wir nun gestellt werden. Die Alte Försterei ist unser Wohnzimmer, das brauchen wir wie die Luft zum Atmen. Wir können nicht wegen des schnöden Mammons in ein anderes Stadion gehen. Der Club muss und wird darauf achten, dass er das, womit sich die Fans identifizieren, nicht zerstört. Präsident Zingler hat das mehrfach versichert.

"Der Club muss und wird darauf achten, dass er das, womit sich die Fans identifizieren, nicht zerstört."

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Jubel nach dem Abpfiff: Unions Spieler freuen sich offensichtlich auf die Bundesliga... Bild: imago sportfotodienst

Der Etat von Union wird in der Bundesliga um einiges höher sein. Man muss sich eigentlich jetzt schon um die übernächste Saison kümmern, man denke an Clubs wie Eintracht Braunschweig, FC Ingolstadt, die kurze Gastspiele in der Bundesliga hatten und jetzt in der 3. Liga sind...

Die Frage lautet: Wofür gibt man dieses Geld aus? Ich würde es nicht für exorbitant teure, neue Spieler ausgeben, die dann auch noch das Gehaltsgefüge sprengen. Ich fände es wichtiger, dass man mit den Leuten, die diesen Aufstieg geschafft haben, weiterarbeitet. Klar, muss man zu ein paar älteren oder länger verletzten Spielern Alternativen suchen. Union hat in der Vergangenheit oft ablösefreie Spieler geholt, das finde ich richtig, das sollte weiterhin so sein. Ich vertraue dem Ruhnert (Unions Kaderplaner Oliver Ruhnert, Anm. d. Red.). Du kannst in der Bundesliga nur als Team bestehen, man sollte darauf achten, dass der Kern der Mannschaft zusammenbleibt. Man sollte auch Michael Parensen, der seit 2009 bei Union spielt, einen leistungsbezogenen Vertrag anbieten.

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Jörg mit seiner Ehefrau Marion Samuel Foto: Ulrike Kretschmer

Union muss sozusagen eisern bleiben, und sich von den wahnsinnigen Summen, die durch den Fußballweltraum schwirren, nicht verführen und blenden lassen?

Ja, kann man so sagen. Union muss einfach ganz cool bleiben. Das Wichtigste ist, dass die Fans und das Team beieinander bleiben, die ungeschriebenen Regeln einhalten, dass man die eigene Mannschaft nicht auspfeift und so weiter. Das Konzept und die Philosophie des Vereins und seiner Fans darf man nicht aus den Augen verlieren. Der SC Freiburg könnte da ein Vorbild sein.

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"Nehmt das Herz in beide Hände": Die Union-Choreo vor dem entscheidenden Relegationsspiel gegen den VfB Stuttgart. Bild: imago images / foto2press

Du bist der Regisseur zweier Theaterstücke über Union Berlin. Im jüngsten Stück wagst du bereits einen kritischen Blick in die Zukunft. Wird es auch ein Theaterstück über den Aufstieg und die erste Bundesligasaison geben?

Mich haben nach dem Aufstiegsspiel viele angesprochen, ob es jetzt dazu ein weiteres Stück geben wird. Ja, es müsste eigentlich ein neues geben. Und nachdem das letzte Theaterstück von vielen Fans als etwas depressiv und negativ empfunden wurde... Ich bin so ein bisschen der Mahner in der Wüste... (überlegt) Ja, es müsste eigentlich jetzt ein neues, total positives Stück geben. Wir Menschen brauchen positive Geschichten, wir leben ja größtenteils von der Hoffnung...

"Also, wenn ich in der Bundesliga bin, dann will ich auch drinbleiben."

Apropos Hoffnung. Wenn du jetzt an die kommende Bundesligasaison denkst: Wirst du eher um den Klassenerhalt bangen oder hoffst du, dass es schnell wieder zurück in die Zweite Liga geht?

(schweigt lange) Oh! – Nee... Also, wenn ich in der Bundesliga bin, dann will ich auch drinbleiben. Ich freue mich auf die großen Vereine, die man bald – zumindest einmal – in der Alten Försterei sehen kann. Andererseits haben wir Fans auch schon gesagt: So eine tolle Zweite Liga nächstes Jahr – Hamburg, St. Pauli, Stuttgart – und wir sind nicht dabei... Was auch immer passiert: Wir halten das aus!

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