Sport
July 7, 2019 - Lyon, France - Megan Rapinoe (Reign FC) of United States whit her trophys celebrates after winning the 2019 FIFA Women s World Cup France Final match between The United State of America and The Netherlands at Stade de Lyon on July 7, 2019 in Lyon, France. United States of America v Netherlands : Final - 2019 FIFA Women s World Cup France PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAn230 20190707_zaa_n230_379 Copyright: xJosexBretonx

Nicht auf den Mund gefallen: Megan Rapinoe. Bild: imago images / ZUMA Press

Meinung

Macht euren Mund auf! Warum Deutschland mehr Fußballer wie Megan Rapinoe braucht

Die USA ist Fußball-Weltmeisterin. Mittendrin ist Megan Rapinoe: US-Kapitänin, Top-Torjägerin und beste Spielerin des Turniers. Nach zahlreichen Protestaktionen gegen Donald Trump erklärte sie nun abermals, dass sie eine Einladung ins Weiße Haus ausschlagen würde. Sie zeigt Haltung – was deutsche Fußballer vermissen lassen.

Nick van der Velden

Das Aufbäumen und öffentliche Kritisieren der US-amerikanischen Regierung hat im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" fast schon Tradition.

Schon Martin Luther King in den 60ern ist ein Beispiel dafür. Er proklamierte mit den Worten "I Have a Dream" seinen Traum von einer Welt, in der alle Menschen gleichgestellt sind. In den 90er-Jahren wurde der Protest gegen das Establishment zu einem wichtigen Stilmittel in der amerikanischen Hip-Hop-Szene.

Seit Donald Trump 2016 zum Präsidenten gewählt wurde, gibt es nun vermehrt Protestaktionen aus der Promiwelt – und immer häufiger auch aus dem Sport. Für weltweites Aufsehen sorgte im August 2016 der Kniefall des Footballers Colin Kaepernick, mit dem er gegen Polizeigewalt gegen Schwarze ein Zeichen setzte. 2018 legte Kaepernick in einem zweiminütigen Nike-Werbespot nach, ein Zeichen gegen Rassismus, das auch als Seitenhieb gegen Donald Trump verstanden und diskutiert wurde.

Das ist die Werbung mit Colin Kaepernick:

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Video: YouTube/Nike

Jetzt also Megan Rapinoe

Der jüngste Protest aus der Sportwelt gegen Rassismus und für Gleichberechtigung kommt von US-Fußballstar Megan Rapinoe.

Die Kapitänin der amerikanischen Fußballnationalmannschaft, die am Sonntag mit ihrem Team den Weltmeistertitel verteidigen konnte, hatte sich bereits 2016, als erste weiße Frau, der Kniefall-Kampagne von Colin Kaepernick angeschlossen.

Doch erst die Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich bot ihr die große Bühne. Sie verweigerte, die Nationalhymne mitzusingen und kündigte schon vor dem Titelgewinn an, dass sie bei einer Einladung ins Weiße Haus nicht erscheinen würde.

"Ich gehe nicht ins f***ing Weiße Haus"

Nach dem WM-Titel untermauerte sie nun nochmals: Sie wolle nicht ins Weiße Haus und auch ihr Team wolle das nicht – sofern der US-Präsident die Weltmeisterinnen überhaupt einlade. Ein mutiger Schritt. Die 34-Jährige will ihre Berühmtheit nutzen, um auf die Probleme in ihrem Land aufmerksam zu machen.

Joie des joueuses des USA apres le second but de Megan RAPINOE (USA) FOOTBALL : France vs Etats Unis - Coupe du Monde Feminine - Paris - 28/06/2019 JBAutissier/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL

Rapinoes ikonische Jubelgeste. Bild: imago images / PanoramiC

"Als ich älter geworden bin, habe ich erkannt, wie mächtig eine Stimme sein kann – meine Stimme, und die Stimme der Mannschaft."

Megan Rapinoe

Dafür kassiert sie vollkommen zurecht Beifall aus aller Welt. Doch: Wo sind die Rapinoes und Kaepernicks in Deutschland?

Auch Deutschland braucht Sportler wie Rapinoe

Mit dem klar erkennbaren Rechtsruck und der zunehmend gespaltenen Gesellschaft gibt es auch hier in Deutschland Probleme, die angesprochen werden müssen. Natürlich wird das auch teilweise getan. Zum Beispiel von Musikern. Wie etwa beim Non-Profit-Festival #Wirsindmehr, mit Auftritten der Toten Hosen, Marteria, KIZ oder Nura. Auch TV-Prominente wie Klaas Heufer-Umlauf und Jan Böhmermann machen sich seit Jahren für Projekte fur Gleichberechtigung und mehr Menschlichkeit stark.

Wer sich in all diese Themen kaum einmischt, sind unsere Fußballer. Dabei zeigen die Entwicklungen in den USA sehr deutlich, welche Reichweite das Wort eines Top-Sportlers haben kann.

Bild

Bastian Schweinsteiger gehört zu den bekanntesten Fußballern im Land – diese Reichweite nutzt er nicht immer. Bild: imago/Avanti

In Deutschland ist Fußball fast schon eine Religion, und sie hat ihre Botschafter. Ikonen des Sports wie Toni Kroos, Bastian Schweinsteiger oder Oliver Kahn haben die Aufmerksamkeit eines ganzen Landes. Und die könnten sie nutzen, wie es Megan Rapinoe und Colin Kaepernick machen.

Es sind Kroos mit über 21 Millionen oder Manuel Neuer mit über zehn Millionen Followern, die selbst Helene Fischer oder Lena Meyer-Landrut auf Instagram unwichtig erscheinen lassen. Sie haben die größte Reichweite in ganz Deutschland. Doch die nutzen sie bisher meistens nur, um sich selbst zu vermarkten.

Torwart Manuel Neuer (Deutschland Germany) - 04.06.2019: Pressekonferenz der Deutschen Nationalmannschaft zur EM-Qualifikation in Venlo/NL *** Goalkeeper Manuel Neuer Deutschland Germany 04 06 2019 Press conference of the German national team for the European Championship qualification in Venlo NL

Wenn Manuel Neuer spricht, hört ganz Deutschland zu. Bild: imago stock&people

Es gibt im deutschen Fußball zwar durchaus Rassismus-Kampagnen seitens des DFB und der Bundesliga-Clubs. Doch es fehlt die Überzeugung, auch mal mit voller Überzeugung öffentlich für Aufsehen zu sorgen. Laut zu werden. Und wenn nötig, in der Sprache deutlich zu werden, wie Rapinoe das tut. Eine "Rote Karte gegen Rassismus" beim Einlaufen reicht nicht, ein #notoracism unter einem Foto auf Instagram ist gut gemeint, aber es braucht mehr. Megan Rapinoe legt sich wiederholt mit dem mächtigsten Mann der Welt an.

Besonders den Fußballern muss klar sein: Es gibt Leute, die es nicht als normal ansehen, dass ihre Kicker auf dem Feld mit Menschen aus der ganzen Welt zusammenspielen. Dass sie in den Stadien von Menschen mit Behinderung oder Homosexuellen angefeuert werden. Damit Werte wie Gleichberechtigung in allen Köpfe ankommen, braucht es starke Fürsprecher, die diese Werte auch verkörpern und sie einfordern.

Fußballspieler mit ihren gigantischen Reichweiten hätten die Chance, den Kampf gegen Rassismus, Seximus und Homophobie in Deutschland entscheidend voranzutreiben. Wenn sie sich nur ein Herz fassen würden.

Also: Macht euren Mund auf, lieber Fußballer! Oder wie es Weltmeister Benedikt Höwedes in seiner Kolumne für "t-online" richtig formulierte:

"Wir sind alle gefordert, dass wir mutige Protagonisten im Kampf gegen Ungerechtigkeit, Homophobie, Rassismus und Geschlechterdiskriminierung genauso unterstützen müssen, wie die so wichtige #FridaysforFuture-Bewegung."

Benedikt Höwedes

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