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Marc-André ter Stegen hatte gegen Argentinien nur wenige Möglichkeiten sich auszuzeichnen. Bild: imago images / Bernd König

Meinung

Nach dem Auftritt von ter Stegen: Löw muss seine Torwart-Taktik ändern

Joachim Löw dürfte trotz rund einem Dutzend verletzter Stammkräfte zufrieden sein. Seine unerfahrene Nationalelf spielte am Mittwochabend gegen Argentinien lange souverän und führte zwischenzeitlich mit 2:0. Das B-Team ließ sich nur durch Unachtsamkeiten in der Schlussphase noch ein Erfolgserlebnis wegnehmen. Das 2:2 war für Bundestrainer Löw mehr Test- als Freundschaftsspiel. Auch für Marc-André ter Stegen sollte es eine Prüfung werden – doch die war leider keine richtige.

Für den 27-Jährigen sollte es eigentlich ein entscheidender Abend werden. Monatelang hatte der ohnehin seit Jahren stark aufspielende Torhüter des FC Barcelona mit Weltklasse-Auftritten beim Bundestrainer angeklopft. Bei den beiden EM-Qualifikationsspielen gegen die Niederlande (2:4) und Nordirland (2:0) im September spielte aber Manuel Neuer. Nach öffentlichen Aussagen über seinen Frust, keine Chance bekommen zu haben, und einem Gala-Auftritt in der Champions League gegen den BVB, hatte ter Stegen den Druck auf Löw und seine bisher unantastbare Nummer eins im Tor der Nationalmannschaft erhöht. Nach einer Schlammschlacht in der Öffentlichkeit hatte Löw verkündet, zu seinem Wort zu stehen und ter Stegen die Möglichkeit eines fairen Konkurrenzkampfes zu geben. Er gab ihm das unbedeutende Testspiel gegen Argentinien, um sich auszuzeichnen. Es wurde ein undankbarer Auftritt.

Kaum Möglichkeiten für Marc-André ter Stegen sich zu zeigen

Der Schlussmann kassierte gegen Argentinien zwei Gegentore. Noch ärgerlicher: Bei beiden Treffern war er macht- und chancenlos. "Seine Leistung bewerte ich gut. Die Tore waren nicht haltbar", fasste Löw nach dem Spiel zusammen. "Das erste war ein klasse Kopfball. Und beim zweiten war der Schuss noch ein bisschen abgefälscht vom Emre Can." Und weiter erklärte er: "Ansonsten hat er das gehalten, was er halten musste."

Viel war das aber nicht. Ter Stegen hatte kaum Möglichkeiten, um sich auszuzeichnen. Erst in der 70. Minute durfte er seine erste "echte" Parade zeigen. Lediglich im Spielaufbau konnte er mit seinem Auge und seiner Präzision zeigen, warum er einer der besten Torhüter der Welt ist. Das sah auch Löw so: "In der ersten Halbzeit hat er auch sehr gut hinten raus gespielt, sehr gute Pässe ins Mittelfeld gespielt. Marcs Leistung war gut."

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Ter Stegen (l.) und Neuer dürfen wenigstens im Training auch beide ran. Bild: imago images/Team 2

Für die Situation von ter Stegen als Nummer zwei wird das nicht viel ändern. Am Sonntag wird in der EM-Qualifikation in Tallinn gegen Estland wieder der 33-jährige Neuer im Tor der DFB-Auswahl stehen. Das hatte Löw schon vor dem Argentinien-Spiel festgelegt. Vergangene Woche machte Löw auch klar: "Ich habe mehrfach betont, dass Manuel Neuer auch mit Blick auf die Europameisterschaft unser Kapitän und somit für uns aktuell auch unsere Nummer eins ist – wenn nichts Außergewöhnliches passiert." Dieses Außergewöhnliche wurde ter Stegen in einem Spiel ohne Zauber verwehrt.

Löw muss ter Stegen noch eine Chance geben

Sicherlich braucht es in einer intakten Mannschaft Stammspieler und vor allem erfahrene Akteure. Der verdiente Manuel Neuer ist so einer. Doch Joachim Löw erklärte immer wieder, dass beide Kontrahenten Weltklasse-Torhüter seien und ter Stegen seine Chance bekomme. Eine echte Chance wären weitere Spiele, in denen der Schlussmann mehr Bälle aufs Tor bekommt und sich auch mal auszeichnen kann.

Dass ein verdienter Spieler sich immer wieder einem Zweikampf stellen muss, bewies uns zuletzt ausgerechnet Löw als Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann: Vor der WM 2006 musste sich der unangefochtene langjährige Kapitän Oliver Kahn ebenfalls einem Herausforderer stellen. Jens Lehmann bekam seine Chancen – und der Konkurrenzkampf kitzelte aus beiden Torhütern noch bessere Leistungen heraus. Der Rest ist Geschichte: Lehmann wurde Nummer eins bei der Heim-WM und hatte maßgeblichen Anteil beim Einzug ins Halbfinale. Sein Spickzettel und zwei gehaltene Elfmeter gegen Argentinien gehörten ebenso wie der Handschlag mit Kahn vor dem Elfmeterschießen zu den Szenen der Weltmeisterschaft.

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Joachim Löw gab Marc-André ter Stegen gegen Argentinien nur eine Möglichkeit sich auszuzeichnen. bild: imago images / Schüler

Ter Stegen sagte nach dem Spiel gegen Argentinien: "Für mich ist es wichtig, meine Spiele zu machen und ein Gefühl dafür zu bekommen. Wenn du nicht spielst, kannst du dich nicht zeigen." Auch dieses Mal sollte Löw umdenken, denn: Konkurrenz belebt das Geschäft. Der Bundestrainer sollte ter Stegen auch die Möglichkeit geben, sich auszuzeichnen – für einen fairen Zweikampf.

Schon vor dem Duell hatte ter Stegen betont, dass er dem Bundestrainer "die Entscheidung" über die Nummer eins bei der EM-Endrunde 2020 "so schwer wie möglich" machen wolle. Das kann er aber nur, wenn er auch in der Nationalmannschaft spielt.

Herr Löw, übernehmen Sie!

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