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Leon Goretzka of FC Bayern Munich during the German DFB Pokal quarter final match between FC Schalke 04 and Bayern Munich at the Veltins Arena on March 03, 2020 in Gelsenkirchen, Germany German DFB Pokal 2019/2020 xVIxANPxSportx/xGerritxvanxKeulenxIVx 407781985

Leon Goretzka hat zusammen mit seinem FC-Bayern-Kollegen Joshua Kimmich die Aktion "We kick Corona" ins Leben gerufen. Bild: imago images/vi images/gerrit van keulen

Meinung

Vorbildlich, Leon Goretzka! Der Profi, den wir uns alle gewünscht haben

Er ist selbstbewusst, offensiv und er geht voran. Leon Goretzka hat eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Als Fußballprofi spielte er sich vom Talent des VfL Bochum zum FC Bayern und in die Nationalelf hoch. In beiden Teams wird er immer wichtiger, reift langsam zum Führungsspieler. Als öffentliche Person entwickelte sich der mittlerweile 25-Jährige zu einem der wenigen Fußball-Stars, der sich stets eindeutig zu Themen jenseits des Fußballkosmos positioniert und Haltung zeigt.

Ein Loblied auf einen Profi, den wir in Deutschland lange vermisst haben – und der trotz der aktuellen Fußballzwangspause immer noch seine Leistung bringt und Verantwortung übernimmt. Neben dem Platz.

Auch jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie geht Leon Goretzka voran, und viele folgen ihm. Mit seinem Teamkollegen Joshua Kimmich hat er innerhalb weniger Tage die Aktion "We kick Corona" ins Leben gerufen. Die Spenden-Initiative soll karitativen, sozialen und medizinischen Einrichtungen in der Corona-Krise helfen.

Die beiden 25-jährigen Bayern-Profis spendeten zusammen einen Start-Betrag von einer Million Euro. Bereits nach einem Wochenende hatten sich viele Fußballprofis und weitere Privatspender angeschlossen. Mittlerweile sind schon insgesamt mehr als drei Millionen Euro zusammengekommen. "Ehrenmänner", lobte Nationalmannschaftskollege Toni Rüdiger die beiden für ihre Initiative.

"We kick Corona": Goretzka ist Gesicht der Kampagne, der heimliche Initiator

Auch wenn "We kick Corona" kein Projekt von Goretzka allein ist, und ohne Kimmichs Beitrag schmälern zu wollen: Goretzka ist das Gesicht der Kampagne, er scheint der heimliche Initiator zu sein, so wirkt es zumindest. Als die beiden am Dienstagvormittag bei Sky im Videointerview zu Gast waren, konnte man es erahnen. Auf die Frage, wer sich denn berufen fühle, den Zuschauern zu erklären, wie es zu der Idee von "We kick Corona" kam, überließ Kimmich seinem Teamkollegen sofort den Vortritt: "Der Leon kann sich direkt zu Wort melden, würde ich sagen."

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Auch in der Nationalelf Kollegen: Leon Goretzka (l.) und Joshua Kimmich. Bild: iamgo images/Bernd Feil/M.i.S.

Das ist natürlich kein Beweis, dass Goretzka der geistige Vater der Kampagne ist. Doch wenn man sich ansieht, wie Goretzka sich auch in der Vergangenheit schon öffentlich geäußert hat, passte es ins Bild vom Profi, der über die Seitenlinie und die 90 Minuten hinausblickt. Goretzkas Horizont endet nicht hinter den Stadiontribünen. Er spricht vom Fußball als Brückenbauer, macht sich für Zivilcourage und gegen Rassismus stark, wirbt als Gesicht des Deutschen Roten Kreuzes fürs Blutspenden. Er sorgt sich, wenn die AfD Erfolge feiert. Oder er erinnert unter dem Hashtag #NieWieder in den sozialen Medien an die Verbrechen des Nationalsozialismus. "Wir Spieler sollten die große Aufmerksamkeit, die wir bekommen, nutzen, um für solche Themen zu sensibilisieren", sagte Goretzka vor rund einem Monat bei DAZN.

Und bei all dem hat man nie das Gefühl, dass da irgendein Berater oder PR-Manager gesagt hat: "Leon, mach mal ein paar Statements zu Politik und Gesellschaft, das kommt gut an bei den Leuten, das gibt gute Presse!" Goretzkas Aufrufe wirken echt. Dem kauft man das ab. Da macht sich einer Gedanken.

Goretzkas Statements wirken nicht so abgelesen wie bei anderen Profis

Die Statements des gebürtigen Bochumers bleiben hängen, weil sich nicht so glatt gebügelt sind wie bei anderen Spielern, nicht so abgelesen klingen und weil sie von Herzen zu kommen scheinen: "Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Da antwortet man auf die Frage nach der Nationalität mit Schalke, Dortmund oder Bochum", sagte er vor gut einem Jahr im Zusammenhang mit rassistischen Beleidigungen gegen Leroy Sané und Ilkay Gündogan beim Länderspiel gegen Serbien in Wolfsburg.

Goretzka forderte damals alle Mitbürger zu mehr Courage gegen Rassismus auf. Überzeugend, mit persönlicher Note und nicht gestakst. So einen hat Fußballdeutschland seit – ja, seit wem eigentlich? – lange nicht gesehen.

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Leon Goretzka (l.) feierte sein Profidebüt beim VfL Bochum in der 2. Liga. bild: imago sportfotodienst

Goretzka hat verstanden, dass er ein Vorbild ist. Er ist sich seiner Reichweite, seiner Verantwortung und seinem Einfluss bewusst und nutzt all das. In der Corona-Krise hat er es als einer der Wenigen begriffen, dass es nun darauf ankommt, weiter seine Leistung abzurufen und Verantwortung zu übernehmen. Und zwar neben dem Fußballplatz. Er reißt mit "We kick Corona" andere Profis mit, die sich bisher zumindest mit Taten eher zurückhielten. Auch verdiente Spieler wie Mats Hummels oder Jonas Hector, die ein paar Jahre mehr Lebenserfahrung auf dem Buckel haben und in ihren Klubs die Kapitänsbinden tragen, folgten Goretzkas Beispiel.

Goretzka geht Dinge an, er will etwas bewegen. Mit seinen 25 Jahren ist er da schon ein ganz schönes Stück weiter als manch anderer Mittzwanziger. Das sieht auch Thomas Broich so. Der Ex-Profi sagte "t-online" über Goretzka: "Es ist alles andere als selbstverständlich, sich bereits in so jungen Jahren durch ein derart großes soziales Engagement hervorzutun."

Goretzka nutzt seine Reichweite sinnvoll: Vorbildrolle statt Klopapierrolle

Während andere Fußballer in der zwangsweise trainingsfreien Zeit Likes sammeln, in dem sie mit Klopapierrollen im Wohnzimmer jonglieren, übernehmen Goretzka und Kollege Kimmich also die Vorbildrollen, sammeln Geld, um zu helfen. Das nehme sehr viel Zeit in Anspruch und bestimme jetzt seinen Alltag, verriet Goretzka dem "Spiegel": Es sei allerdings ein großes Privileg, in Krisenzeiten helfen zu können. Eine solche Einstellung zu gesellschaftlicher Verantwortung ist bewundernswert.

In diese Vorbildrolle habe natürlich auch er erst hineinwachsen müssen. "Alles andere wäre verlogen", sagte er dem FCB-Vereinsmagazin "51" im Januar. Außerdem sei es "immer eine Typ-Frage", sich öffentlich so klar zu positionieren. Goretzka scheint dieser Typ zu sein.

Es ist selten, dass ein so junger Profi regelmäßig und reflektiert gesellschaftspolitische Themen öffentlich anspricht – und diese dann auch anpackt. Sein Gespür dafür ist im deutschen Fußball aktuell einzigartig. Es braucht mehr solche Fußballer wie ihn, die ehrlich Stellung beziehen.

"Fritz Walter (Weltmeister von 1954, d. Red.) hat mal gesagt, dass alle Nationalspieler Außenminister in kurzen Hosen sind. Den Spruch finde ich sehr gut", erklärte Goretzka neulich. Im Vergleich mit den übrigen DFB-Auswahlspielern wird er seinem Amt gerade am meisten gerecht.

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