Unterhaltung
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Heidi Klum: Zum 15. Mal sucht sie bereits "Germany's next Topmodel". Bild: ProSieben/Richard Hübner

Analyse

Wer glaubt, dass es bei "GNTM" nur ums Modeln geht, hat die Show nicht verstanden

Seit 2006 macht sich Heidi Klum jedes Jahr unermüdlich auf die Suche nach "Germany's next Topmodel". Während der ersten Staffeln gab es noch kein Instagram, wo die Meeedchen, wie Heidi Klum ihre Schützlinge selbst nennt, als Influencer aktiv sein konnten. Auch, wenn "GNTM" schon immer eine Unterhaltungsshow war, standen zu Zeiten von Lena Gercke noch die Modelqualitäten der Kandidatinnen im Mittelpunkt.

"Diversität", die in den vergangenen Jahren propagiert wurde, gab es zu diesem Zeitpunkt schlichtweg nicht. Tattoos waren verpönt, Piercings mussten herausgenommen werden. Heidi achtete penibel auf die entsprechende Model-Größe ihrer Schützlinge. Auch von Curvy- oder Transgender-Kandidatinnen war nichts zu sehen.

Mittlerweile hat ProSieben das Teilnehmerinnenfeld weiter geöffnet. Und die Veränderung ist wichtig und richtig. Heute schafft es der klassische Modeltyp in der Show zwar noch immer weit nach vorne, aber Maße aus dem Katalog und eine gute Performance in den Fotoshootings sind noch lange kein Garant auf ein goldenes Final-Ticket.

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Heidi Klum mit ihren diesjährigen Finalistinnen Jacky, Maureen, Sarah und Lijana (v.l.). Bild: Sven Doornkaat ProSieben

Persönlichkeit der "GNTM"-Kandidatinnen wird wichtiger

Seit 2017 wird im "GNTM"-Finale auch der "Personality Award" verliehen. Die Fans können für ihren Liebling im Netz abstimmen und entscheiden, welche Kandidatin in der Show mit ihrer Persönlichkeit überzeugt hat. Die letzte Gewinnerin war Transgender-Model Tatjana, die es nicht bis ins Finale geschafft hatte. Dafür hatte sie in der Castingshow eben anderweitig auf sich aufmerksam gemacht. "Sie ist eine Kämpferin und ein Role Model für viele, viele Menschen da draußen", erklärte Heidi Klum bei der Award-Übergabe.

Auch Ex-Kandidatin Sarah Almoril bestätigte watson: "Ich finde, es ist kein klassischer Modelwettbewerb mehr, sondern es geht viel um die Persönlichkeit der Kandidatinnen, was ich auch erstmal nicht schlecht finde. Das heißt, wenn man klassisch modeln will, dann schafft man das auch ohne 'GNTM'."

Darauf kommt es bei "GNTM" an

"Ein Model ohne Job ist kein Model", betonte Heidi in der achten Folge der diesjährigen Staffel. Die Mädels waren gerade dabei, sich zum Castingmarathon für die Berliner Fashion Week aufzumachen. Lijana durfte einmal für Designer Kilian Kerner über den Catwalk flanieren. Doch dabei blieb es bis zum Ende der Show. Ins Finale ist sie trotzdem gekommen. Sogar bis zum Schluss fiel Heidis Kritik eher schlecht als recht aus, denn Lijanas Auftritt hätte mehr etwas von "Miss World" als von einem Topmodel gehabt. Doch Lijana polarisiert und die Zuschauer lieben Dramen. Für ProSieben füllt die 24-Jährige wichtige Sendeminuten.

Model-Jobs hin oder her – was immer wichtiger wird, sind die Follower im Netz. Mittlerweile sind viele Ex-Kandidatinnen, darunter Stefanie Giesinger oder Hana Nitsche, besonders als Influencerinnen bekannt. Heidi betonte selbst in der Show:

"Social Media wird immer wichtiger. Und deshalb möchte ich sehen, was meine Mädchen auch neben ihren Model-Qualitäten zu bieten haben."

In diesem Feld ganz weit vorne liegt aus der aktuellen Staffel Tamara. Mit 439.000 Abonnenten ist sie die absolute Spitzenreiterin im Social-Media-Game und sammelt im Schnitt über 100.000 Likes pro Post. Somit sollte ihr eine große Instagram-Karriere auch ohne Final-Einzug sicher sein. Dabei betonte sie stets, dass es ihr Ziel sei, berühmt zu werden.

Auch Ex-Topmodel-Anwärterin Cäcilia bestätigte watson, dass Follower die Karriere ankurbeln würden: "Heutzutage geht es eher um deine Follower, anstatt darum, wer du wirklich bist. Kunden achten da sehr drauf." Und Kult-Kandidatin Klaudia "mit K" Giez verriet: "'GNTM' ist für beide Branchen gut: sowohl für den Model- als auch den Influencerbereich. Man muss tatsächlich alt genug sein und für sich entscheiden können, ob man selbstständig und selbstbewusst genug dafür ist, um daran teilzunehmen."

Denn dass ein Model nach der "GNTM"-Teilnahme die internationalen Laufstege dieser Welt erobert, kommt zwar noch vor, tritt aber mehr und mehr in den Hintergrund. Zur Erinnerung: Die letzte Gewinnerin Simone Kowalski zog sich für den "Playboy" aus und hat dem "GNTM"-Imperium den Rücken gekehrt. Anders hat es beispielsweise Siegerin Céline Bethmann aus dem Jahr 2017 gemacht, die sogar Modenschauen für Balmain oder Yamamoto lief. Somit liegt es wohl an jedem Model selbst, was es aus seinem Sieg macht. Ausnahmen bestätigen bekanntermaßen die Regel.

Der Karriereverlauf der meisten Ex-Teilnehmerinnen zeigt, dass das Modeln nach "GNTM" schnell zur Nebensache werden kann. Letztendlich ist die Show eine Chance, die die jungen Frauen bekommen, um gesehen zu werden. Das Format hat einige erfolgreiche Models und Geschäftsfrauen wie Lena Gercke oder Stefanie Giesinger hervorgebracht, die ihren Sieg gekonnt genutzt haben. Bei anderen Ex-Kandidatinnen hingegen zählen Rote-Teppich-Veranstaltungen oder Shop-Eröffnungen mehr und mehr zum "Model"-Alltag.

Doch bei einer Castingshow sorgt bekanntlich immer noch die Suche nach einem Topmodel für die größte Faszination, das größte Entertainment – und nicht das Finden, sprich die Siegerinnenehrung. Und deswegen werden die ProSieben-Zuschauer auch im kommenden Jahr wieder an Heidi Klums Lippen kleben, wenn es heißt: "Nur eine kann 'Germany's next Topmodel' werden!"

(iger)

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