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Christian Rach stand von 2005 bis 2013 für die TV-Sendung "Rach der Restauranttester" vor der Kamera. Bild: Imago Images/ Future Image

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"Sind am Ende": Starkoch Christian Rach mit düsterer Corona-Prognose für 2021

Christian Rach stand acht Jahre lang für die RTL-Sendung "der Restauranttester" vor der Kamera. Im Jahr 2013 fiel die letzte Klappe. Bis heute zählt der 63-Jährige zu den bekanntesten TV-Köchen Deutschlands. Im TV hat er zwar keine eigene Show mehr, sitzt dafür allerdings in der Jury der Sendung "Grill den Henssler", die am Sonntag mit einer neuen Staffel an den Start ging.

Im Interview mit watson erklärt Christian Rach, wie er die Corona-Pandemie erlebt, warum die Sender seine Idee für eine neue Doku-Sendung abschmetterten und wieso das Restaurant "Rach & Ritchy" in Hamburg wirklich geschlossen wurde.

BERLIN - JANUARY 30:  Christian Rach recieves the award for 'Best Coaching TV show - Audience Choice' during the Goldene Kamera 2010 Award at the Axel Springer Verlag on January 30, 2010 in Berlin, Germany.  (Photo by Andreas Rentz/Getty Images)

Christian Rach wurde bereit mit der Goldenen Kamera für seine Show "Rach, der Restauranttester" ausgezeichnet. Bild: Getty Images/ Andreas Rentz

watson: Im Zuge der Corona-Krise haben viele Fernsehsender neue Formate entwickelt. Hätten Sie sich ein TV-Comeback mit einer eigenen Sendung auf RTL vorstellen können?

Christian Rach: Zu Beginn der Krise hatte ich eine Idee für ein Format. Da war mir die Tragweite natürlich nicht annähernd so bewusst, wie es sich jetzt darstellt. Aber das riesige Problem für die Gastronomie und Hotellerie war mir schnell klar. Ich habe immer gesagt, Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres, werden ganz viele umfallen und ich meinte, wir sollten mit der Kamera dokumentieren, was das für die einzelnen Betriebe bedeutet, was für Schicksale hintendran stehen und vor allen Dingen, wie die Betriebe von der Nordsee bis nach Bayern damit umgehen und im besten Falle Mut damit machen.

Wie kam die Idee an?

Ich hatte das für sehr spannend erachtet, den Zustand dokumentarisch zu zeigen – ohne erhobenen Finger, ohne zu sagen, jetzt müssen sie die Wand rot oder grün streichen. Leider hat kein Sender die Idee für spannend erachtet.

Wie sollte die Doku genau aussehen?

Es sollten fünf oder sechs Betriebe während der gesamten Zeit begleitet werden. Ich wollte schauen, wie sie mit der Krise umgehen, was es mit den Menschen macht und was es für unterschiedliche Ansätze der Lösungen gibt.

COLOGNE, GERMANY - DECEMBER 05:  TV-presenter Guenther Jauch talks to  pictured Christian Rach during the RTL '2010 ! Menschen, Bilder, Emotionen - Show' on December 05, 2010 in Cologne, Germany.  (Photo by Ralf Juergens/Getty Images)

Diese Aufnahme mit Günther Jauch stammt aus dem Jahr 2010 und wurde während des RTL-Jahresrückblickes aufgenommen. Bild: Getty Images/ Ralf Juergens

"Den 'Restauranttester' wird es mit Sicherheit nicht mehr geben, jedenfalls nicht mit mir."

Frank Rosin hatte auf Kabel eins mit der Sendung: "Rosins Restaurant – Jetzt erst recht!" ein ähnliches Format.

Das weiß ich nicht. Ich habe das mal gelesen, aber nicht gesehen, sodass ich das nicht beurteilen kann. Was ich gelesen habe, war, dass es nicht getan ist mit den alten Rezepten daherzukommen. Das hilft nicht in der Krise.

Warum meinen Sie, ist Ihr Konzept gescheitert?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Vielleicht war zu wenig Mut da, weil ich natürlich nicht sagen konnte, wie das ausgeht. Fernsehen hat immer gerne Ergebnisse vorweg und das ist natürlich nicht zielführend.

Können Sie sich vorstellen, dass Sie für eine größere Fernsehreihe wie bei "Rach der Restauranttester" noch mal ein Comeback feiern oder haben Sie damit abgeschlossen?

Den "Restauranttester" wird es mit Sicherheit nicht mehr geben, jedenfalls nicht mit mir. Eine Restaurantschule wird es so auch nicht mehr geben. Es ist nicht mein tägliches Bestreben, eine neue Fernsehsendung zu machen. Es gibt immer wieder viele Ideen, wo ich sage, das kann man machen, sollte man oder auch nicht. Ich bin ein aktiver und kreativer Mensch. Ich hoffe, dass ich bis 80 irgendwas tun kann. Ich habe immer noch unglaublich viele Pläne und Ideen im Kopf.

Bildnummer: 58355768  Datum: 16.08.2012  Copyright: imago/Horst Galuschka
TV-Koch Christian Rach posiert am 16.08.2012 beim RTL-Programmscreening 2012 vor der Fotowand in Köln. Der Fernsehsender stellt bei der Veranstaltung die Programmhöhepunkte für die Spielzeit 2012/13 vor. Entertainment People Porträt x0x xkg 2012 quer einzel Koch Christian Rach RTL Programmscreening einzeln 

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Der Koch stand lange für den Sender RTL vor der Kamera. Bild: imago images/ Horst Galuschka

"Das sind natürlich gigantische Zahlen, die man heute bei weitem nicht mehr erreicht und die auch kein anderes Kochformat im Fernsehen mehr erreicht hat."

Sie hatten damals eine starke Fangemeinde, die sich bestimmt über ein weiteres Format sehr freuen würde.

Das war schon irre. Damals gab es noch kein Facebook und kein Instagram. Wir hatten innerhalb von 24 Stunden über zwei Millionen Klicks auf unserer Webseite mit dem "Restauranttester". Diese Erfolge sind wahnsinnig gewesen. Wir hatten immer in jeder Sendung zwischen sechs und sieben Millionen Zuschauer. Das sind natürlich gigantische Zahlen, die man heute bei weitem nicht mehr erreicht und die auch kein anderes Kochformat im Fernsehen mehr erreicht hat. Sogar sonntags hatten wir immer zwischen zwei und drei Millionen Zuschauer bei der Wiederholung. Das heißt, jede Woche haben das zirka zehn Millionen Menschen geguckt. Das ist schon fantastisch.

Wann sieht man Sie wieder im TV?

Bei "Grill den Henssler" haben wir noch eine neue Staffel abgedreht. Außerdem war ich Anfang des Jahres für die ARD mit dem Format "Verrückt nach Meer" unterwegs, was unglaublich spannend war und erst recht in der heutigen Corona-Zeit. Außerdem habe ich noch ein Kochbuch geschrieben.

Welches denn?

Ich hatte immer den Wunsch, mal ein Weihnachtsbuch zu schreiben. Das hat jetzt geklappt. Ich habe Rezepte von meiner Mutter und meine eigenen in "Rachs liebste Weihnachtsrezepte" zusammengefasst.

Christian Rach bei der Aufzeichnung der ZDF-Talkshow Markus Lanz im Studio Stahltwiete. Hamburg, 18.02.2014 Foto:xU.xGlockmannx/xFuturexImage

Christian Rach at the Recording the ZDF Talk show Markus Lanz in Studio  Hamburg 18 02 2014 Photo Xu

Auch in Talkshows hatte der Koch schon zahlreiche Auftritte, wie hier bei "Markus Lanz". Bild: imago images/ Future Image

"Ich habe damals bewusst aufgehört und nicht für eine Fernsehkarriere."

Sie besitzen keine eigenen Restaurants mehr. 2019 wurde in Hamburg das "Rach & Ritchy" geschlossen. Die Rede war von Personalmangel.

Ich war da nur Vermieter, ich habe das Restaurant nicht betrieben. Das mit dem Personalmangel stimmt so nicht. Es ist einfach so, dass das Haus mir gehörte und das Grundstück der Stadt. Die Stadt hat das Grundstück aufgrund eines Fahrradwegbaus zurückgefordert. Wir hätten das noch zwei oder drei Jahre machen können. Dann haben wir aber, aus heutiger Sicht eine ganz Weise Entscheidung, gesagt, dass wir Ende des Jahres damit aufhören.

Hätte die Stadt Hamburg nicht so entschieden, würde es das Restaurant heute noch geben?

Das wäre sehr wahrscheinlich noch weitergelaufen. Die beiden aus meiner Familie, die das gemacht haben, sind 60 Jahre. Wenn Sie mindestens 60, 70 Stunden die Woche arbeiten, dann haben Sie mit 60 auch schon ein Leben voller Arbeit geleistet. Das sind zwei verschiedene Ebenen. Die eine ist die der Immobilie und die andere die der Betreiber. Sie haben sich natürlich gefragt, ob sie noch mal um drei, vier oder fünf Jahre verlängern möchten. Dann wären sie 65 oder 66. Die Alternative war, da jetzt einen vernünftigen Schnitt zu machen und etwas Neues anzufangen. Das waren die einzigen Motivationen für die Schließung.

Sind Sie im Nachhinein mit Blick auf die Corona-Krise froh, dass Sie keine eigenen Restaurants mehr besitzen?

Ich habe mein letztes Restaurant am 30. September vor neun Jahren geschlossen. Das ist für mich keine existente Frage mehr. Ich habe damals bewusst aufgehört und nicht für eine Fernsehkarriere. Nach 25 Jahren 80 Stunden und mehr in der Woche habe ich gesagt: "So Freunde, jetzt beginnt ein anderer Abschnitt des Lebens." Das war ganz wunderbar und ich habe in den neun Jahren nicht mehr davon geträumt, einen eigenen Laden aufzumachen und deswegen gab es diese Träume auch nicht in der Corona-Krise. Für die Zukunft wird es auch sicherlich dabeibleiben.

"Die Leute demonstrieren wegen der Einschränkung der Freiheit und haben keine Ahnung, was Freiheit bedeutet."

Bildnummer: 54411174  Datum: 03.09.2010  Copyright: imago/Michael Westermann
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Der Sternekoch führt schon seit Jahren kein eigenes Restaurant mehr. Bild: imago images/ Michael Westermann

Viele Menschen gehen derzeit auf die Straße und protestieren gegen die Corona-Maßnahmen. Auch Ihr Kollege Attila Hildmann. Was halten Sie davon?

Ich finde es absolut gefährlich, diese Dinge so zu machen. Die Leute demonstrieren wegen der Einschränkung der Freiheit und haben keine Ahnung, was Freiheit bedeutet. Wir sehen das in Weißrussland, wir sehen das in ganz vielen anderen Ländern wie China und Hongkong. Und dann haben wir das Gefühl, wir müssen eine Maske tragen und das schränkt unsere Freiheit ein. Das sind Wohlstandsäußerungen, die ich als unverantwortlich erachte.

"Ich befürchte, dass viele es da leider nicht schaffen und am Ende ihrer Kräfte sind."

Viele TV-Köche haben Alarm geschlagen und Angst um Ihre Betriebe. Das geht mit strengen Auflagen in der Gastronomie und mit Abstandsregeln einher. Wie sieht Ihre Zukunftsprognose für die Branche aus?

Die richtige Delle wird im nächsten Jahr kommen. Wir haben, wenn man es umweltpolitisch sieht, "leider" einen unglaublich tollen, aber auch trockenen Sommer gehabt. Für die Gastronomen war es die einzige Chance, ein bisschen durchzustarten. Ganz viele, die das Glück hatten, draußen servieren zu können, haben das getan. Die Probleme kommen jetzt im Winter. Es wird kaum Weihnachtsfeiern in geschlossenen Räumen geben und auch größere Privatfeiern nicht. Anfang 2021 werden sich die Probleme und die Existenzen im schwierigsten Verhältnis befinden. Ich befürchte, dass viele es da leider nicht schaffen und am Ende ihrer Kräfte sind.

Tim Mälzer hat bei Markus Lanz aufgrund der Corona-Krise geweint. Können Sie das nachvollziehen, dass die Situation so an die Substanz geht?

Es ist ja völlig klar. Wenn ich 30, 40 Jahre gearbeitet, meinen Laden aufgebaut habe und dann aufgrund von Verordnungen und Umständen die Existenz wie Sand am Meer zerrinnt, da kann man nur weinen, traurig und hilflos sein. Das ist völlig nachvollziehbar. Ich denke immer, wir müssen sofort nach Lösungen suchen.

BERLIN - SEPTEMBER 25 : Birgit Schrowange, Christian Rach and wife Andrea and Tim Maelzer attend the Bertelsmann Party 2008 at 'Bertelsmann Unter den Linden 1' on September 25, 2008 in Berlin, Germany. (Photo by Florian Seefried/Getty Images)

Hier posiert Rach neben Birgit Schrowange, seiner Frau Andrea und Tim Mälzer vor der Kamera. Bild: Getty Images/ Florian Seefried

"Unglaublich viele bangen um ihren Job, ihre Existenz, ihre Familien, ihre finanziellen, privaten Verpflichtungen."

Und haben Sie Lösungen gefunden?

Es gibt keine Patentrezepte. Das kann nur jeder Betrieb für sich allein entscheiden, ob nicht doch nur zehn Sachen in Top-Qualität auf der Karte reichen und nicht die jetzigen 50. Die Frage ist, wie kann man den Laden so umgestalten, dass die AHA-Regeln eingehalten werden. Es gibt ganz individuelle Konzepte. Viele Betriebe werden mehr als weinen müssen.

Wie wichtig ist es, heute als Gastronom auch ein zweites Standbein zu haben? Viele TV-Köche besitzen noch Kochschulen oder ihre eigenen Betriebe.

Da muss man natürlich intervenieren. TV-Köche gibt es, wenn überhaupt, zehn. Wir haben in der Gastronomie 2,3 Millionen Beschäftigte. Da sind zehn TV-Köche eine nicht messbare Größe. Relevant sind nur die 2,3 Millionen Menschen, die von und mit der Gastronomie leben. Unglaublich viele bangen um ihren Job, ihre Existenz, ihre Familien, ihre finanziellen, privaten Verpflichtungen. Das ist ein riesen Kanonenschlag.

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