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Heidi Klum arrives on the red carpet at the 2019 CFDA Fashion Awards at the Brooklyn Museum in New York City on June 3, 2019. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY NYP20190603139 JOHNxANGELILLO

Bild: www.imago-images.de

Heidi Klum als Drag-Show-Jurorin: Scharfe Kritik aus der queeren Szene

ProSieben will mit "Queen of Drags" eine deutsche Version von "RuPaul’s Drag Race" produzieren – mit Heidi Klum, Bill Kaulitz und Tom Neuwirth (vormals bekannt als Conchita Wurst) in der Jury. Die Jury-Auswahl sorgt jetzt allerdings in Teilen der queeren Szene für mächtig Aufruhr.

Die Berliner Dragqueen Margot Schlönzke startete eine Petition, in der sie den Sender auffordert, Heidi Klum mit einer queeren Person zu ersetzen (queer.de berichtete zuerst).

In der Petition begründen Schlönzke und ihre Unterstützer ihre Forderung in aller Deutlichkeit: "Heidi Klum hat von Drag, der dazugehörigen Historie, der Lebenseinstellung, der Identität, der Drag-Kultur, der Szene und der gesamten Branche absolut keine Ahnung." Die Petition betitelte Schlönzke mit "Kein Foto für Heidi".

"Ausverkauf der Drag-Community an ein heteronormatives Publikum"

Das heteronormative Geschlechtermodell geht von einer dualen Einteilung in Mann und Frau aus, wobei es als selbstverständlich angesehen wird, dass eine heterosexuelle Entwicklung vorgesehen ist und damit der "normalen" Verhaltensweise entspricht – andere Aspekte der menschlichen Sexualität werden oftmals pathologisiert.

Wird neue Heidi-Klum-Show ein queeres "GNTM"?

Das Format als solches sei zwar ausdrücklich zu begrüßen. Problematisch sei aber unter anderem, dass mit Heidi Klum als Frontfigur die Sendung als "Ausverkauf der Drag-Community an ein heteronormatives Publikum zu dessen bloßer Belustigung auf Kosten der Teilnehmer*Innen und der gesamten Drag-Community vorprogrammiert ist".

Offenbar fürchten Schlönzke und die Unterzeichner, dass Klum und ProSieben das deutsche "RuPaul’s Drag Race" in eine Art queeres "Germany’s Next Topmodel" verwandeln. Statt um Aufklärung, werde es "um das Keifen, das persönliche Drama, die bloße Zurschaustellung übelster und erwarteter Klischees" gehen, glauben sie. Das Klum damit Geld verdiene gehe über "kulturelle Aneignung" hinaus und sei "kultureller Missbrauch".

"GNTM" steht immer wieder für das vermittelte Frauenbild in der Kritik. Die Befürchtung, dass "Queen of Drags" in ähnliche Kerben schlägt, wie die Model-Show ist also zumindest nicht ganz weit hergeholt.

US-Drag-Queens waren schon bei HeidiKlums "GNTM"

So ganz ohne Berührungspunkte zur Drag-Szene sind Heidi Klum und "GNTM" dann allerdings auch wieder nicht. Wie schon in vergangenen hatte Heidi Klum auch in der aktuellen 14. Staffel vier amerikanische Drag-Queens in die Sendung eingeladen.

Vanessa Vanjie Mateo (a.k.a. Miss Vanjie), Silky Nutmeg Ganache, Nebraska Thunderfuck und Britney-Spears-Double Derrick Barry mischten die Kandidatinnen mit viel Make-Up, Glitzerkostümchen und aufwendigen Choreografien auf.

"An potentiellen, kompetenten, queeren Möglichkeiten mangelt es in Deutschland nun wirklich nicht."

Dennoch: Statt mit Klum, die die Petition als "heteronormative weiße Frau" bezeichnet, "die bisher keinerlei nennenswerte sichtbare Verbindung zur Drag-Community hatte und bisher auch nicht das Leben einer Drag gelebt hat", solle ProSieben eher bekannte queere Persönlichkeiten wählen. "An potentiellen, kompetenten, queeren Möglichkeiten mangelt es in Deutschland nun wirklich nicht."

Vorgeschlagen werden an dieser Stelle unter anderem Guido Maria Kretschmar, Ralph Morgenstern, René Koch, Lilo Wanders, Hella von Sinnen, Gayle Tufts, Desirée Nick, Harald Glööckler und Georg Preuße.

Mehr als 600 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet. Auch in den sozialen Netzwerken äußerten Menschen Kritik an der Entscheidung von ProSieben. Auf Instagram kommentierten User etwa: "Verstehe halt nicht so ganz, was Heidi Klum mit Drag zu tun hat?" und "Drag ist mehr als sich nur zur Frau zu verwandeln. Heidi ist die denkbar schlechteste Wahl dafür."

(pcl)

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