Unterhaltung
Bild

Autorin und Grimme-Preis-Gewinnerin Elfie Donnelly erweckte Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen zum Leben. Bild: audible/imago images / United Archives/montage watson

Interview

Bibi-Blocksberg-Erfinderin Donnelly kritisiert Übersexualisierung der Figur

Generationen von Kindern sind mit ihren Geschichten aufgewachsen: Elfie Donnelly hat nicht nur Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg erfunden, sondern mit ihren Hörspielserien auch ein Stück deutsches Kulturgut definiert. Mit watson sprach sie über ihre neue Reihe "Draculino", "Bibi und Tina" in Zeiten der #metoo-Debatte und die Faszination des Geschichtenerzählens.

watson: Frau Donnelly, woher kam der Impuls, mit "Draculino" eine neue Kinderhörspielserie zu schaffen?

Elfie Donnelly: Ich habe diese Geschichte schon sehr lange in mir getragen. Der Ursprung liegt viele Jahre zurück, 37, um genau zu sein. Ich habe sie damals als einen Mehrzeiler aufgeschrieben, auch der Titel entstand bereits zu der Zeit. Auslöser war ein Urlaub mit meinem Sohn und meinem damaligen Mann Peter Lustig in Italien, wir waren in der Toskana in der Nähe von Siena. Unser Sohn Momme war damals drei Jahre alt und litt unter einer schrecklichen Zuckerzahnkaries – seine Schneidezähne sind ihm vom vielen Zuckertee-Fläschchen trinken einfach weggefault und nur die Eckzähne blieben stehen.

watson: Und weiter?

Elfie Donnelly: Er ist dann auf der Piazza del Campo in der Sonne herumgetollt, hat die Tauben gejagt. Eine Verkäuferin hat ihn dabei beobachtet, seine spitzen Zähnchen gesehen und ihn "Draculino" gerufen. Dieser Name ist mir hängen geblieben und hat den Grundstein für die neue Reihe gebildet.

watson: Weiß Ihr Sohn denn von seinem Glück?

Elfie Donnelly: Ja, das tut er. Er hat sich sehr gefreut, als ich ihm davon erzählt habe und nun kennt er auch die Manuskripte.

Elfie Donnelly ist zurück mit einem brandneuen Hörspielabenteuer für Kids. Draculino ist ein Audible Original und die erste Staffel ist nur bei Audible erhältlich. Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/56459 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe:

Bild: Audible

Darum geht es in der neuen Hörspielreihe "Draculino"

Luca Natale ist sieben Jahre alt, hat rote Haare, stottert und wächst in einem Waisenhaus im italienischen Umbrien auf. Die anderen Kinder hänseln ihn, eines Tages verliert er bei einer Prügelei auch noch seine beiden Vorderzähne. Damit sieht er ein bisschen aus wie ein Vampir – und das fällt auch zwei Personen auf, die im Keller des Waisenhauses wohnen: das gutherzige Vampir-Ehepaar Bonario. Die beiden wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind. Deshalb entführen sie Luca, doch nach einiger Zeit müssen sie einsehen, dass die Bedürfnisse eines Menschenkindes möglicherweise andere sind als die zweier Blutsauger...

watson: Viele Erwachsene von heute werden sich noch an Rüdiger, den "Kleinen Vampir" erinnern. Eine weitere Inspiration?

Elfie Donnelly: Nein, ich kannte den "Kleinen Vampir" tatsächlich zuvor nicht und habe mir die Hörspiele auch extra nicht angehört, als ich von der Reihe erfahren habe. Ich wollte eine eigene neue Welt schaffen. Und zum Thema Vampire: Die sind eigentlich immer aktuell und werden sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen geschätzt – man muss den düsteren Teil natürlich entsprechend kindgerecht aufbereiten.

"Ich finde es schrecklich, Kinder vor dem Fernseher [...] zu parken und sie dann sich selbst zu überlassen"

watson: Wie bereitet man ein Hörspiel kindgerecht auf?

Elfie Donnelly: Es muss Spaß bringen und spannend sein. Es ist natürlich sehr wichtig, dass keine Gewalt vorkommt. Und wenn es doch mal ein bisschen gefährlich wird, muss sich die Situation schnell auflösen. Es darf niemandem etwas Ernsthaftes zustoßen. Ich empfehle tatsächlich auch, eine neue Reihe erst einmal mit den Eltern zusammen zu hören.

watson: Warum das?

Elfie Donnelly: Kinder reagieren so unterschiedlich, vielleicht haben sie Redebedarf oder Fragen. Ich finde es auch schrecklich, Kinder vor dem Fernseher oder dem Computer zu parken und sie dann sich selbst zu überlassen. Geschichten wollen doch erzählt werden, damit sie uns berühren und wir uns mit ihnen beschäftigen.

watson: Ihre Hauptfigur Draculino wird in der Schule gemobbt, ein syrisches Flüchtlingsmädchen steht ihm bei. Sind Hörspiele ein guter Weg, Kinder für Toleranz zu sensibilisieren?

Elfie Donnelly: Es läuft nicht so ab, dass ich mir überlege, dass dieses oder jenes politische Thema unbedingt in meine Hörspiele mit integriert werden muss. Ich möchte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger um die Ecke kommen. Aber natürlich bietet das alltägliche Leben Background und Inspirationen zu den Geschichten. Und bei der Nachrichtenlage, die wir aktuell haben, kann man spezielle Themen nicht ignorieren, sondern wird vielleicht indirekt von ihnen beeinflusst.

Bild

Donnelly beim Deutschen Filmpreis in Berlin Bild: imago images / Sven Simon

Kinder sollten Toleranz und Selbstliebe lernen

watson: Ihr Held Benjamin Blümchen hat sich zum Beispiel schon in den 70er Jahren für den Umweltschutz interessiert, der Ansatz ist heute aktueller denn je.

Elfie Donnelly: Das stimmt. Aber beim Klimaschutz hat sich in den letzten 40 Jahren nicht viel geändert, was ich sehr traurig finde. Die Politiker missbrauchen ihre Macht teils für andere Themen und die Bürger fühlen sich dann allein gelassen.

watson: Welche Werte sollten Kindern heute vermittelt werden?

Elfie Donnelly: Toleranz ist ungemein wichtig. Und dass wir Schwächeren helfen müssen und uns unter Freunden, in der Familie gegenseitig Kraft schenken können – wie es auch bei Draculino und seiner Freundin geschieht. Man soll sich selbst wertschätzen und auch die eigenen Makel lieben lernen – wie es Draculino mit seinen spitzen Eckzähnen tut – denn erst unsere Eigenheiten machen uns als Menschen doch individuell. Deswegen rate ich: Schätz deine Besonderheiten, schätz deine schiefe Nase. Wir müssen keinem Idealbild entsprechen, um geliebt zu werden.

"Heute würde ich Bibi nicht als 13-Jährige darstellen, die als überreif gesehen werden könnte"

watson: Sie haben in einem Interview gesagt, dass Ihre Bibi Blocksberg für heutige Verhältnisse zu brav wäre. Wie müsste eine Bibi in Zeiten von #metoo aussehen?

Bibi Blocksberg

Die "klassische" Bibi Blocksberg und Mutter Barbara Bild: imago images / United Archives

Elfie Donnelly: Die Grundthematik wäre sicher noch identisch: Emanzipation. Aber die Frauen in der Serie, Bibi und Barbara, müssten sich heute noch emanzipierter verhalten. Vater Bernhard war damals noch zu sehr Patriarch. Er war dominant und die Mutter hat vor ihm gekuscht. Wenn er was gesagt hat, wurde es so gemacht, wie er es wollte. Heute würden Bibi und ihre Mutter ihm definitiv widersprechen. Und ich würde Bibi auch jünger machen.

watson: Warum würden Sie das tun?

Elfie Donnelly: Ich habe Bibi damals als Kind angesetzt. Aber das, was wir als Kind verstehen, hat sich heute komplett verschoben.

watson: Früher haben Mädchen bis sie 12 waren noch mit Barbies gespielt, heute gehen sie zum Frauenarzt und lassen sich die Pille verschreiben. Meinen Sie diese Tendenzen?

Elfie Donnelly: Absolut. Ich beobachte das auch und weiß manchmal nicht, was ich davon halten soll. Das war auch mein Problem mit den "Bibi und Tina"-Filmen. Die sind handwerklich absolut gut gemacht und haben eine sehr große Fangemeinde. Ich finde es aber sehr bedenklich, dass die Mädchen so übersexualisiert werden.

 Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs

Die Filminszenierung: Bibi und Freundin Tina in "Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs" (2016) Bild: DCM Film Distribution

Meine Bibi hatte keine Brüste, wenn Sie verstehen, was ich meine. Deswegen würde ich Bibi heute nicht als 13-Jährige darstellen, die als überreif gesehen werden könnte. Sie müsste elf Jahre alt sein. So, dass sie ganz klar ein Kind ist, das sich mit Jungs noch nicht beschäftigen will.

watson: Hätten Sie mit dem enormen Erfolg von Bibi gerechnet?

Elfie Donnelly: Nein, absolut nicht. Das hat mich damals überwältigt. So etwas kann man nicht planen. Ich denke, wir haben damals den richtigen Zeitgeist getroffen, das entsprechende Marketing hat dann dafür gesorgt, dass Bibi und auch Benjamin Generationen von Kindern Spaß gebracht haben.

watson: Auch viele Erwachsene hören Ihre Geschichten noch heute zum Einschlafen. Was bedeutet Ihnen das?

Elfie Donnelly: Das freut mich sehr, schockiert mich ehrlicherweise aber auch. Wenn heute 40-jährige Fans auf mich zukommen, macht mir das immer bewusst, dass ich auch nicht jünger werde. Ich fühle mich wie mit Mitte 20! Aber ich denke, die Erwachsenen hören sich die alten Hörspiele aufgrund der Nostalgie an. Sie versetzen sie in das wohlige Gefühl von damals, das der eigenen Kindheit.

watson: Wie geht es nach der neuen Hörspielserie bei Ihnen weiter?

Elfie Donnelly: Ich arbeite immer noch an meiner Autobiographie. Es ist sehr emotional, meine innersten Gedanken aufzuschreiben und gleicht ein bisschen einer Therapie ohne therapeutischen Beistand (lacht).

Elfie Donnellys neue Hörspiel-Serie "Draculino" ist ab dem 10. Dezember 2019 exklusiv bei Audible verfügbar.

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Nach Wendler-Aussagen: Auch Laura Müller verliert jetzt offenbar RTL-Show

Am Donnerstagabend hat Schlagersänger Michael Wendler auf seinem Instagram-Account sein "DSDS"-Aus verkündet – und Verschwörungsmythen verbreitet. Mittlerweile haben sich viele wichtige Geschäftspartner von ihm getrennt.

Das Werbevideo mit Kaufland wurde gelöscht und auch die Sportbekleidungsmarke "Uncle Sam" hat sich von den Aussagen des 48-Jährigen distanziert. Die Zusammenarbeit wurde beendet.

Besonders folgenreich ist jedoch der Bruch mit RTL. Michael Wendler war eigentlich gerade auf dem …

Artikel lesen
Link zum Artikel