Unterhaltung
Investor Frank Thelen

Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Interview

"Höhle der Löwen": Frank Thelen über Mit-Löwen, Flugtaxis und "DNA-Problem" in Deutschland

"Die Höhle der Löwen" ist wieder da. Zurück im TV: Investor Frank Thelen. Im Teil 1 des Interviews mit watson spricht Thelen über den Spagat, den ihm die Vox-Gründershow abverlangt – und verrät, welche Eigenschaft der Deutschen ihn am meisten ärgert.

watson: Sie sind ein technikaffiner Mensch, wollen die Welt verändern. Hand aufs Herz: Ist es Ihnen in der „Höhle der Löwen“ manchmal zu blöd, wenn Ihnen dann eine neue leckere Suppe präsentiert wird?
Frank Thelen: Für mich ist das eine Herausforderung. Ja, es sind keine Quantencomputer, die in der „Höhle der Löwen“ vorgestellt werden. Das ist ein super spannendes Thema für mich – aber leider nur für sehr wenige andere Menschen. Würden wir nur über Quantencomputer sprechen, dann würde Vox die Sendung schnell absetzen, weil die Zuschauer umschalten. Das ist der Spagat, den wir machen. Trotzdem sind für mich in der „Höhle der Löwen“ viele sinnvolle, gute Ideen dabei, bei denen ich – natürlich mit einem gewissen Stretch – noch investieren kann.

Welche Kriterien muss eine Idee, ein Startup denn erfüllen, ohne die Sie nicht investieren?
Erstens ein gutes Team, das sich am besten ergänzt: Bei einer App brauchst du einen Designer, einen Entwickler, einen BWLer. Zweitens muss ich spüren, dass sie das aus Leidenschaft machen – und nicht, weil sie schnell reich werden oder ins Fernsehen wollen. Und drittens muss es ein Produkt sein, das skalierbar ist, das ich richtig groß machen kann. Das ist für mich als Investor zentral. Ohne diese Eigenschaft investiere ich nicht.

Was machen die Löwen nach der Sendung – noch etwas trinken gehen?
Ich kann nur für mich sprechen. Das endet mit dem langen Drehtag, weil ich dann wirklich auch um 22 Uhr durch bin. Ich habe das große Glück, dass ich nach jedem Drehtag nach Hause fahren kann, weil es von Köln zu meinem Wohnort Bonn nicht weit ist. Aber ja, es sind auch Freundschaften entstanden, bei denen man sich auch außerhalb der „Höhle der Löwen“ trifft.

Bei Ihnen auch?

Ja, zum Beispiel mit Judith Williams und ihrem Mann Alexander Stecher. Ralf Dümmel schätze ich auch sehr, ein wirklich guter Typ.

Wir haben jetzt zum ersten Mal außerhalb der „Höhle der Löwen“ ein gemeinsames Investment gemacht, das richtig hervorragend läuft. „Air Up“ heißt das, eine Trinkflasche: Du trinkst pures Wasser, aber es schmeckt nach Zitrone oder Apfel. Wirklich beeindruckend, eine Revolution. Wir sind ausverkauft. Aus der Freundschaft heraus wollte ich da den Ralf gerne dabei haben und es ist toll, dass das jetzt so gut läuft. Auch mit den anderen Löwen verstehe ich mich, aber wir treffen uns nicht privat.

Was ist "Die Höhle der Löwen"?

In "Die Höhle der Löwen" bekommen Gründer die Chance, ihr Startup vor einem Millionen-Publikum bei Vox zu präsentieren. Das Ziel: einen der fünf Investoren für sich zu gewinnen, der im Anschluss Geld in die Idee pumpt, so dass das Unternehmen möglichst groß und erfolgreich wird. Als Löwen in diesem Jahr sind dabei: Judith Williams, Georg Kofler, Frank Thelen, Nils Glagau, Dagmar Wöhrl, Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer. Die Sendung läuft dienstags um 20.15 Uhr auf Vox.

Sie teilen sich dieses Jahr den Stuhl mit Neu-Löwe Nils Glagau. Sind Sie dann nächstes Jahr ganz weg?

Da gibt es noch keine Entscheidung. Ich bin grundsätzlich sehr dankbar, dass ich bei der „Höhle der Löwen“ dabei sein durfte.

Am Anfang hat niemand an den Erfolg dieser Sendung geglaubt. Sie haben Menschen wie mich, die keiner kannte, ohne Medienerfahrung auf einen Primetime-Stuhl gesetzt. Ein hohes Risiko. Dafür bin ich Sony und Vox sehr dankbar.

Wenn Sie nicht bei „Höhle der Löwen“ sind, kümmern Sie sich um Ihre Investitionen. Was muss Deutschland in Sachen Digitalisierung sofort angehen, damit Gründer und Investoren wie Sie zufrieden sind?
Die Digitalisierung ist eigentlich schon erledigt. Nur Deutschland hat es eben verpennt. Jetzt geht es im nächsten Schritt darum, welche innovativen Technologien wir voranbringen können: E-Mobility, Quantencomputer, Robotics, 5G, Künstliche Intelligenz. All das müssen wir endlich als Chance in Deutschland begreifen und nicht Angst davor haben. Wir müssen Elite-Unis – auch ein böses Wort in Deutschland – weiter fördern und dann muss Kapital für Gründer bereitgestellt werden, damit die nächste große Technologie-Company aus Deutschland kommt.

Haben Digital-Startups in Zeiten der Dominanz von Facebook, Google und Amazon überhaupt noch die Möglichkeit, Weltmarktführer zu werden?
Naja, ich glaube nicht, dass das nächste große Social Network aus Deutschland kommen wird. Die Frage ist sowieso, ob es jemals noch ein großes, neues Social Network geben wird oder ob Facebook den Bereich Social Media einfach solange dominiert, bis er irgendwann an Relevanz verlieren wird, weil andere Konzepte auf dem Markt erfolgreicher sind. Wo Deutschland aber Chancen hat, sind die neuen Technologien. Wir könnten etwa bei der Künstlichen Intelligenz weltweit führend sein – wenn wir eine andere DSGVO hätten und da anders rangehen würden.

Sie klingen sauer.

Ja, und am meisten ärgert es mich, wenn über Flugtaxis gelacht wird. Das ist einfach so dumm und grausam.

Die Leute denken, das wird ja nicht groß und was soll das denn. Das ist einfach schrecklich. Bei den Flugtaxis haben wir erstmals wieder die Chance, einen echt großen Markt, den die Amerikaner und Chinesen auch sehr ernst nehmen, aus Deutschland heraus zu dominieren. Wir sind aktuell weltweit führend in dem Gebiet. Die großen Unternehmen investieren in dem Bereich, unsere Autobauer haben eine große Expertise. Und die Deutschen lachen nur darüber.

Ist das typisch Deutsch?
Absolut typisch Deutsch. Das ist dieses DNA-Problem, das wir haben. Die Leute sind Bedenkenträger. Sie fragen sich: Warum sollen denn elektrische Flugzeuge Menschen in der Luft von A nach B bringen? Dasselbe hatten wir beim Internet, beim Smartphone und bei vielen anderen Dingen. Immer heißt es: Hilfe, Hilfe, da will jemand an meine Daten. Hilfe, Hilfe, da soll ein 5G-Mast aufgestellt werden. Wir müssen lernen, Innovation als Chance zu sehen. Wie es die Chinesen oder Esten tun. Das ist ein Mentalitätsproblem.

Teil 2 des Interviews veröffentlicht watson am Mittwoch.

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