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Bild: Prosieben/Unsplash/Montage Watson

Meinung

"Masked Singer"-Finale: Was uns ProSieben seit Beginn vorenthielt

Es lässt sich kaum bestreiten: Die Prosieben-Show "The Masked Singer" war wohl das Erfolgsformat des Sommers. Jede Woche brach der Sender mit der Show immer neue Zuschauerrekorde. Unfassbar: Das Finale erreichte sogar mit 4,3 Millionen die beste Quote, die eine ProSieben-Show jemals erreichte. Zum Zeitpunkt der Enthüllung des Astronauts lag der Marktanteil bei 54 (!) Prozent. In den sozialen Medien diskutierten tausende Zuschauer seit Wochen darüber, wer hinter den quietsch-bunten Masken stecken könnte.

Zu Beginn des Jahres habe ich ähnlich gespannt das amerikanische Format der Show verfolgt. Über Wochen rätselte ich mit Freunden und Kollegen, ob der weiße Hase in der Zwangsjacke jetzt Joey Fatone oder doch ein anderes NSYNC-Bandmitglied war und wurde schnell ein Riesenfan der Löwendame im goldenen Kostüm.

Nach jeder Show haben wir heiß diskutiert, wessen Masken-Theorie nun die Richtige sei, haben die besten Auftritte nochmal angesehen und uns in den Hinweisvideos auf Spurensuche begeben. Bis zum Schluss waren wir gefesselt und auf jede Überraschung vorbereitet.

"Masked Singer US" habe ich geliebt – doch die deutsche Version hat mich enttäuscht

Auf das Finale der deutschen Version war ich allerdings zu meiner eigenen Überraschung so gar nicht gespannt, obwohl ich auch hier jede Folge verfolgt habe. Die Freude an dem deutschen Format verblasste für mich als Format-Kennerin Woche um Woche.

Das liegt an Fehlern, die Prosieben bereits in der ersten Show-Folge gemacht und Dingen, die das amerikanische Format einfach schlauer gelöst hat.

Was Prosieben weggelassen hat – leider!

Die ursprüngliche Idee zu "The Masked Singer" stammt aus Südkorea. Dort ist "King of Mask Singer" allerdings eher eine Art "The Voice" auf Droge, in der "Normalos" genauso wie Mitglieder von Bands und K-Pop-Idole eine Jury von ihren Gesangskünsten überzeugen wollen. Ihre Identität verstecken sie dabei in (weit weniger aufwendigen) Masken und Kostümen, um Vorurteile zu vermeiden.

In der amerikanischen Adaption hingegen nahmen nur (mehr oder weniger) prominente Kandidaten an der Show teil, die Kostüme wurden aufwendiger und die Hinweisvideos, die wir auch aus Deutschland kennen, wurden eingeführt.

Zwar stand somit bereits auch in den USA der Gesang und die Performance der maskierten Künstler nicht mehr derartig im Vordergrund wie im südkoreanischen Original, dennoch wurde auch hier der beste Sänger gesucht.

Denn das war es, was mich an dem amerikanischen Format mehr als die bunten, aufwendigen Kostüme fasziniert hatte: Dass mich Prominente, von denen ich es nie erahnt hätte, mit ihren Stimmen zum Weinen bringen konnten, so wie etwa das Monster, das sich als "Voice-Tune"-Rapper T-Pain entpuppt hatte.

Dass Stefan-Raab-Schützling Max Mutzke ein großartiger Sänger ist, überrascht mich hingegen eher wenig.

In Deutschland wurde von Beginn an ein anderer Kurs gefahren. Kurz vor der ersten Demaskierung in Folge eins betonte Moderator Matthias Opdenhövel:

"Das hier ist keine Castingshow. Es geht hier nicht um Gesang oder wer hier der Beste ist."

"The Masked Singer" ist also eine Gesangsshow, in der es nicht um den Gesang geht. Aha. Zugegeben, bei der "Bachelorette" geht es auch nicht wirklich um die große Liebe.

Aber was ist dann der Sinn hinter dem Voting und dem anschließenden Gewinn des Kandidaten? Welchen Anreiz gibt es für die Stars bestmöglich abzuliefern? Und warum sollten die Zuschauer gespannt auf das Finale und dessen Sieger sein?

Das ganze Pulver wurde in der ersten Folge verschossen

Hinzu kommt, dass in der ersten Folge des deutschen "Masked Singer", anders als im amerikanischen Format, bereits alle maskierten Teilnehmer aufgetreten sind. So verschwand nicht nur die Vorfreude auf weitere bunte, aufwendige Kostüme in Windeseile, sondern leider wurde einem auch schnell klar, dass bis auf den Grashüpfer und den Astronauten keine großen Gesangstalente in der Show waren (no offense, Monsterchen).

Die Talentausbeute war merkbar mau. Kein Wunder also, dass Prosieben "The Masked Singer" gar nicht erst als Talentshow verkaufen konnte. Und offensichtlich wollte.

Ausgerechnet der große Favorit, der Astronaut, war dann recht schnell von den Zuschauern und der twitter-affinen Jury als Max Mutzke enttarnt worden. Ein klarer Favorit und schließlicher Gewinner, der so schnell schon demaskiert wurde? Gähn!

Schade Prosieben, hier wäre mehr drin gewesen! Da der Sender schon eine zweite Staffel angekündigt hatte, hoffe ich auf Besserung. Für die Stars, meine Rätsel-Freunde und mich.

Seht ihr das auch so oder hat euch etwas anderes am Format gestört? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Birgit Schwäbe 02.08.2019 16:32
    Highlight Highlight Man sollte das einfach cleverer machen. Ziel sollte sein, nicht enttarnt zu werden und sobald einmal der richtige Name fällt, ist man raus. (Mit einem Limit von einem Tipp pro Jurymitglied pro Song.) Dann würden die Promis sich Mühe geben müssen, nicht erkannt zu werden, und schon wäre mehr Spannung drin. Dazu weniger Werbung und Staffel 2 würde ich auch wieder schauen. So gerade aber nicht. Denn außer den tollen Versionen vom Engel und dem Monsterkostüm (bei dem der Inhalt mir egal war), war für mich nichts dabei. 2/2
  • Birgit Schwäbe 02.08.2019 16:29
    Highlight Highlight Letztlich störte mich so ziemlich alles an der Show. Die viel zu lange Laufzeit (pro Sänger eine Minute Indizien, drei Minuten Song und eine Minute raten würde doch reichen), die Besetzung (wieder einmal eigentlich nur C-Prominenz, die ich persönlich zumindest nicht so gut kenne, dass ich hätte raten können) und die Jury, die immer so klingt, als wäre sie auf Droge. (Und die auch nur aus Leuten besteht, die man eigentlich nicht kennt, mit Ausnahme von Samu Haber.) Und obendrein so viel Werbung, dass sie dann doch über das hinausgehen dürfte, was legal ist. /1

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