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Martin Schulz (SPD) glaubt daran, dass Olaf Scholz ein guter Kanzlerkandidat ist und die Wahl gewinnen kann. ZDF/Screenshot

"Markus Lanz": Martin Schulz nennt Armin Laschet "Provinzpolitiker"

Während in Deutschland die Corona-Infektionszahlen weiterhin hoch sind, geht in China das ganz normale Leben weiter, wie eine "ZDF"-Korrespondentin am Donnerstagabend bei "Markus Lanz" erzählt. Doch es geht nicht nur um Corona, sondern auch um die anstehende Bundestagswahl im September. SPD-Politiker Martin Schulz ist nicht nur davon überzeugt, dass sein Parteikollege Olaf Scholz Kanzler werden kann, sondern findet auch deutliche Worte zum neuen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet – und muss am Ende doch zurückrudern.

Ein großer Geburtstag mit 30 Gästen, ohne Maske, mit Umarmungen – was für viele Menschen in Deutschland noch immer unerreichbar scheint, ist in China bereits wieder Realität. Stefanie Schoeneborn, Ostasien-Korrespondentin, hat genauso vor wenigen Tagen ihren Geburtstag in Peking gefeiert, wie sie bei "Lanz" beschreibt.

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Eine "ZDF"-Korrespondentin berichtet vom normalen Alltag in China. ZDF/Screenshot

Das normale Leben sei in China wieder zurückgekehrt, jedoch würden die Menschen immer noch Angst vor einer neuen Infektion haben. Schoeneborn sagt, dass in Peking ganze Stadtteile mit 1,3 Millionen Einwohnern "zugemacht" werden, sobald es zwei, drei neue Corona-Fälle gebe. Kürzlich habe es einen Fall in einer Schule gegeben. Daraufhin wurde der neunjährige, infizierte Junge in ein Krankenhaus gebracht und dort von seinen Eltern isoliert, während die restlichen 2.000 Schüler, Lehrer und Eltern in einem Hotel in Quarantäne geschickt wurden. Zudem tracke eine App die Bewegungen und den Gesundheitsstatus der Bewohner. Trotzdem würden sich die Menschen – gerade in Wuhan, wo sie kürzlich war – befreit fühlen und ausgehen wollen.

Intensivmedizinerin zeichnet düsteres Bild von Gesundheitslage

Dr. Viviane Zotzmann ist Intensivmedizinerin in einem Freiburger Krankenhaus und beschreibt, wie weit weg die chinesischen Zustände von Deutschlands Realität sind. Zotzmann, deren Lehrer in der Schule der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann war, erzählt nicht nur von erschreckenden Einzelschicksalen, sondern auch von ihrem Alltag auf den Covid-Stationen.

"Jeder Zweite, der beatmet wird, stirbt. Das ist deutschlandweit so."

Dr. Viviane Zotzmann

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Dr. Viviane Zotzmann ist Intensivmedizinerin und beschreibt bei "Markus Lanz" ihren Alltag mit Covid-Patienten. ZDF/Screenshot

Die Ärztin beschreibt, dass 50 Prozent der Patienten, die zu ihr auf die Station kommen, bereits im Koma liegen. Die anderen 50 Prozent könnten zwar noch reden, aber auch ihnen würde es "rapide schlechter" gehen. Sie berichtet von dem Schicksal eines 60-jährigen Mannes, der Kletterer war, topfit und ohne jegliche Vorerkrankungen. 76 Tage verbrachte er nach einer Corona-Infektion schließlich in intensivmedizinischer Behandlung und konnte am Ende weder alleine sitzen, noch gehen. "Er ist ein Kämpfer. Er hat jeden Tag trainiert", sagt Zotzmann. Heute würde es ihm besser gehen und er könne mittlerweile wieder acht Kilometer laufen, doch dies sei eine "Erfolgsgeschichte".

Auch sie habe ganz am Anfang des Ausbruchs der Pandemie gedacht, das sei "wie eine Grippe". Heute sagt Zotzmann: "Es ist nicht vergleichbar. Es ist wesentlich gefährlicher. Es ist in keiner Weise wie einer Grippe, weil das Virus den ganzen Körper angreift." Diskussionen um Lockerungen halte sie für falsch. Die Zahlen seien immer noch zu hoch und würden nur langsam fallen.

"Ich plädiere für schärfere Maßnahmen und einen härteren Lockdown, weil die Mutanten des Virus sich ausbreiten. Ansonsten laufen wir sehenden Auges gegen eine Wand."

Martin Schulz: "Ich will eine Antwort von Jens Spahn!"

Obwohl die SPD Teil der Regierung ist, hat die Partei ihrem Koalitionspartner CDU einen Fragenkatalog zukommen lassen. Darin geht es um die fragwürdige Beschaffung des Impfmaterials in Europa und für Deutschland. Die Veröffentlichung dessen wurde medial und von CDU-Politikern stark kritisiert. Doch die Kritik kommt an diesem Abend nicht beim ehemaligen Kanzler-Kandidaten Martin Schulz an. Zwar sagt er zu Beginn noch, dass "Schuldzuweisungen" bei der Impfbestellung nicht "schön" seien und man eher nach "Lösungen schauen" solle, jedoch findet er den Fragenkatalog seiner Partei nicht unangebracht.

Moderator Markus Lanz hält genau diesen Katalog für einen "Show-Effekt" und wirft Schulz vor, die SPD würde damit bereits Wahlkampf betreiben. Dieser antwortet darauf, dass man "über das Format diskutieren" könne, dass er aber dennoch Antworten von Jens Spahn erwarte. Dass man öffentlich frage sei ein "normaler politischer Ablauf". Er empfindet das Aufregen darüber als "maßlos übertrieben". Lanz hakt noch einmal nach und nimmt Finanzminister Olaf Scholz mit in die Verantwortung. Schließlich müsse sich Jens Spahn irgendwo das Geld holen gehen für den Impfstoff. Doch Schulz bleibt hart und sagt, dass das Gesundheitsministerium die Sachen bestellen müsse und nicht Scholz: "Ich möchte eine Antwort von Jens Spahn!"

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Die Gäste im Studio bei "Markus Lanz" (v.l.n.r.): Martin Schulz, Dr. Viviane Zotzmann und Journalistin Dagmar Rosenfeld. ZDF/Screenshot

Schulz übt harsche Kritik an der EU

Von 1994 bis 2017 war Schulz Mitglied des Europäischen Parlaments und am Ende seiner dortigen Karriere sogar dessen Präsident – dennoch lässt er an diesem Abend kein gutes Wort an der EU.

"Die EU leidet darunter, dass partikulare Interessen knochentrocken durchgesetzt werden."

Martin Schulz

Damit meint der 65-Jährige, dass doch immer wieder nationalstaatlich und national gedacht würde und jedes Land nach den eigenen Interessen schaue. So sagt er offen, dass beispielsweise Frankreich nach dem Prinzip "Frankreich zuerst" verfahre und bei der Bestellung der Impfstoffe wohl darauf bestand, dass auch beim französischen Hersteller Sanofi genügend bestellt wird. Zunächst sagt er, das sei "natürlich so gewesen". Nachdem Lanz nachfragt und sagt, dass dies jedoch öffentlich dementiert wurde, fügt Schulz hinzu: "Ich würde sagen, dass es so ist. Ich sage nicht, dass ich es weiß. Der Verdacht liegt nahe."

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Martin Schulz (r.) bei Markus Lanz (l.). ZDF/Screenshot

Am Ende der Sendung geht es noch um den anstehenden Bundestagswahlkampf. Die SPD weiß bereits, dass sie Finanzminister Scholz ins Rennen um die Kanzlerschaft schicken wird. Die Chefredakteurin der "Welt", Dagmar Rosenfeld, hält das für keine gute Idee. Sie ist der Meinung, das würde kein gutes Signal senden. Die SPD habe Scholz nicht als Vorsitzenden haben wollen, aber schicke ihn nun in dieses Rennen: "Da sehe ich ein großes Problem." "Ich sehe das nicht", sagt Schulz entschieden. Er habe damals auch den Fehler gemacht, auf "die Berliner" zu hören und würde seinem Parteikollegen somit davon abraten: "Das interessiert doch am Ende keinen im Land. Es geht darum, wer in der aufgewühlten Lage, in der wir in der Welt sind, in der Lage ist, die deutschen Interessen zu vertreten und da sehe ich gute Chancen für Olaf Scholz."

Schulz äußert sich negativ über Armin Laschet, rudert zurück und teilt dann gegen die Grünen aus

Schulz lobt den Finanzminister für seine vorherigen Ämter und die Erfahrung, die er mitbringe. Dagegen könne er gegen die anderen Provinzpolitiker antreten. "Haben Sie gerade Armin Laschet Provinzpolitiker genannt?", fragt Lanz nach. "Ja, habe ich", sagt Schulz. "Aber er ist aus NRW", fügt der Moderator überrascht hinzu und auch Rosenfeld beginnt, sich einzumischen. Er sei doch auch aus der Provinz, hört er beide sagen, aus Würselen. "Ja, das war ein unangemessener Ausdruck. Regen Sie sich nicht so auf!", sagt Schulz noch in Richtung Rosenfeld, "das mit der Provinz nehme ich zurück". Trotzdem bleibt er dabei, dass sowohl Laschet als auch Söder die internationale Erfahrung fehle.

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Dagmar Rosenfeld glaubt daran, dass auch die Grünen der SPD Konkurrenz machen könnten. ZDF/Screenshot

"Bei Laschet tut mir das leid, der ist eigentlich ein netter Kerl", versucht sich Schulz noch zu retten und erneut zu entschuldigen. Danach wird der ehemalige Kanzler-Kandidat mit den Grünen konfrontiert und damit, dass die Co-Vorsitzende seiner Partei, Saskia Esken, sich die SPD auch als Juniorpartner mit den Grünen vorstellen könne. "Ich sage da nichts dazu", gibt Schulz zu verstehen. Er wolle das nicht "theoretisch diskutieren". Esken habe das aber gesagt, also könnte man es quasi diskutieren, hakt Lanz nach. Schulz meint daraufhin, er wisse nicht, ob Annalena Baerbock Kanzlerin werden möchte. "Die höchste Leitung in einer Organisation bei ihr, war die Leitung ihres Abgeordnetenbüros. Ich weiß nicht, ob das genug Erfahrung ist", schießt der SPD-Politiker hinterher und macht damit deutlich, was er von einer solchen Kandidatur hielte. "Sie ist nett und sympathisch und bringt frische Kraft in den Bundestag, aber hat nicht genug Erfahrung, um als Kanzlerin zu führen." "Die Kurve kriegen Sie nicht mehr", kommentiert Lanz diese Aussage am Ende.

Auch Robert Habeck hält er nicht für geeignet: "Er war Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, trotzdem hat er mehr Exekutiverfahrung. Ich glaube dennoch nicht, dass die beiden die Bevölkerung überzeugen werden, Deutschland und Europa in der Welt zu führen." Am Ende der Sendung wird deutlich, dass Martin Schulz immer noch an seine Partei, ihre Programmatik und auch daran, dass Olaf Scholz Kanzler werden kann, glaubt.

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