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In Rachs Restaurant hat es sich Ende des Jahres ausgekocht. Bild: imago stock&people

Reportage

Christian Rach: Bei Besuch in Restaurant offenbart sich größte Schwäche – und Stärke

Nach zehn Jahren schließt mit dem "Rach & Ritchy" auch das letzte Restaurant von TV-Koch Christian Rach. Grund dafür sind aber wohl nicht die fehlenden Gäste – den Hamburger Gastronomen mangelt es laut einem Bericht des "Hamburger Abendblatts" an Personal. Auf der Homepage des gehobenen Steakhauses erklärten die Betreiber knapp: "Nach 10 Jahren steht bei Rach & Ritchy eine Neuorientierung an: Das Grillhaus schließt zum Ende des Jahres."

Dies ist nicht die erste Schließung des 62-Jährigen: Vor acht Jahren kam es zum Aus in seinem Hamburger Restaurant "Tafelhaus". Dieses war sogar mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet worden. Der Grund damals: Rach wollte sich nicht für weitere zehn Jahre fest an einen Mietvertrag binden.

Doch wie sieht es kurz vor der Schließung im "Rach & Ritchy" aus? Stimmen Qualität und Preis der Speisen, ist der Service aufmerksam?

Watson nahm ein (vielleicht) letztes Mittagsmahl in Rachs Restaurant ein.

Rachs Steakhaus liegt im Gewerbegebiet

An dem Restaurant im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld kommt man nicht zufällig vorbei – man muss das "Rach & Ritchy" schon gezielt besuchen wollen. Zwischen Autohäusern, Gewerbeflächen und Friedhöfen rauscht Auto um Auto an dem unscheinbaren, brombeer gestrichenen Flachbau vorbei.

Das "Rach & Ritchy" in Hamburg

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Bild: watson

Auf dem Parkplatz drängen sich SUVs und Familienvans (Laufkundschaft bleibt bei der Lage auch eher aus), die Gäste müssen zunächst diesen passieren, dann einen urigen Garten mit Raucherlounge. "Guide Michelin"-Aufkleber prangen am gläsernen Eingangsbereich, über den Hungrige erst eine Bar, dann den eigentlichen Speisesaal erreichen.

Schlichte Deko, kein Schnickschnack

Wie für ein Lokal dieser Kategorie üblich, herrscht im Inneren schlichte Eleganz: cleane Buchentische, dunkle Lederpolster, Silberbesteck, weiße Stoffservietten, grasgrüne Wassergläser – kein Firlefanz. Aus einem offenen Kühlschrank lockt eine beachtliche Weiß- und Roséwein-Auswahl, dazu Hochprozentiges.

Der Gastraum im Grillhaus

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Bild: watson

Gut 40 Gäste sitzen dicht im Restaurant beisammen, vorrangig Herren in dunklen Anzügen und spitzen Schnallen-Lederschuhen. In einer Ecke schmachtet sich ein Pärchen an, eine Dreier-Kollegentruppe gönnt sich zum Lunch eine Flasche Grauburgunder. Man spricht über Subventionen, Bitcoins, Umsatzoptimierung – oder über die Schließung des "Rach & Ritchy", so wie die beiden Mittvierziger am Nachbartisch.

Die größte Schwäche ist tatsächlich die Personalsituation: Im "Rach & Ritchy" bewirten zwei Kellner gut 40 Gäste

Ein Kellner eilt herbei – seine Kollegin und er bewirten die 40 Gäste heute alleine, doch er ist freundlich und höflich, eine gute Beratung scheint ihm wichtig. Emsig hievt er eine XXL-Schiefertafel an den Tisch, preist die Tagesangebote an. Was seine persönliche Empfehlung sei? Der "Roast of the day", ein Lendensteak vom US Black Angus Prime Beef, dazu selbst gemachte Pommes und Ratatouille-Gemüse. Er gerät so ins Schwärmen ob der Fleischqualität, dass wir einfach zuschlagen müssen. 19,50 Euro kostet der Lunch, einen Salat (oder eine Suppe) vorweg gibt es dazu.

Ob der von den Betreibern als Schließungsgrund angegebene Personalmangel auch Einbußen im Service mitbringt – unklar. Die beiden Servicekräfte bedienen, soweit erkennbar, jeden Tisch zuvorkommend. Halten einen kleinen Schwatz, empfehlen Weine. Die einzig für den Gast erkennbare Schwäche der Personalsituation: Auf dem schmalen Gang zwischen halboffener Küche und Speiseraum, außer Blickweite der Gäste, wirken die Kellner ob der Menschenschar etwas angespannt.

Dass das Bestehen des "Rach & Ritchy" endlich ist, ist an diesem Donnerstagmittag um 13 Uhr nicht zu erkennen. Die Gäste diskutieren lautstark, scherzen, es wird Wein nachgeschenkt. Ist es beim Business-Lunch sonst Usus, nur ein paar eilige Bissen hinunterzuschlingen und nebenbei Mails, WhatsApp und Börsenkurse zu checken, scheinen die Gäste hier im Moment zu verweilen. Niemand lässt sich hetzen, die Telefone bleiben in den (Hosen-)Taschen, gemächlich wird noch bei einem Glas zusammengesessen und diskutiert. Im Vorgarten steht ein Aktenkofferbehangenes Grüppchen bei einer Zigarette zusammen. Im besagten schmalen Gang zwischen Gastraum und Küche findet sich die gastronomische Hektik wieder: Fertig dekorierte Teller werden entgegengenommen, Geschirr klappert, vor dem Bartresen stapeln sich zu faltende Servietten und zu polierendes Geschirr.

Stammgäste enttäuscht über Grillhaus-Aus

Wir kommen ins Gespräch mit den Herren am Nachbartisch – zwei Abteilungsleiter eines Autohauses aus der Umgebung. Zwei Mal im Monat kommen sie ins Steakhaus, um sich auszutauschen und sich etwas zu gönnen. Christian Rach selbst hätten sie im Lokal noch nie gesehen – das sei ihnen aber auch "piepegal, ob der nun im Fernsehen kocht oder nicht". Auch das "Hamburger Abendblatt" hatte berichtet, dass sich der TV-Koch schon vor einiger Zeit aus dem aktiven Restaurantbetrieb zurückgezogen haben soll.

Die beiden Stammgästen seien von der Atmosphäre und der Steak-Qualität angetan, von der Nachricht der drohenden Schließung hätten sie erst am Morgen aus den Medien erfahren. "Schade auch, hier gibt es ja sonst nur Tinnef im Umkreis". Man prostet sich mit einem leichten Merlot zu.

So schmeckt das Essen in Rachs Restaurant

Der gemischte Vorspeisensalat (die Dillspitzen wirkten zwischen den Blättern zunächst etwas deplatziert, gaben aber einen frischen Geschmacks-Kick) und das selbst gebackene knusprige Röstzwiebelbrot sind gerade verputzt, da rauscht der Kellner schon mit seiner Empfehlung an: Steak! Und gleich zwei Stück. Lange Wartezeit trotz der Gästeschar – nicht hier, nicht heute.

Der Vorspeisensalat: knackig, frisch, gut

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Bild: watson

Das Lendenstück ist außen kross angegrillt, perfekt gebräunt, gekrönt von zwei daumendicken Zwiebelringen. Das Messer gleitet durchs Fleisch, als sei es Butter. Im Inneren offenbart sich ein zartrosa Kern, aus dem nur ein paar Tropfen Fleischsud rinnen. Auch Gemüse und Pommes sind von Top-Qualität, aber das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf dem Fleisch. Und sagen wir mal so – besser geht’s nicht.

Die größte Stärke: Das Steak bei Rach

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Bild: watson

Auf die Schließung angesprochen, wird die Servicekraft schmallippig

Warum sein Steak zum Niederknien ist, erklärte Rachs Geschäftsgeber und Mit-Namensgeber Richard "Ritchy" Mayer im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt" so: Die Betreiber gönnten sich einen Southbend Infrarot-Grill. "Wir waren die Dritten in Deutschland, die dieses Gerät bekamen." In dem mit Gas beheizten amerikanischen Steakofen werden Temperaturen von 800 Grad Celsius erzeugt, die für eine außergewöhnliche Grillqualität sorgen sollen. Und das tun sie auch.

Was Kleines zur Verdauung? Auswahl gibt's genug

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Bild: watson

Die Kellnerin bringt die Rechnung, 30 Euro kostet der Lunch mit Getränken inklusive Trinkgeld. Für ein Mittagessen ein stolzer Preis, für eines dieser Qualität geradezu ein Schnäppchen. Auf die Schließung des Restaurants angesprochen, wird die Dame etwas schmallippig. "Ende des Jahres ist es so weit, ja", sagt sie nur noch. Wie sie mit der Nachricht umgegangen ist, was aus ihr wird, das sagt sie nicht. Sie wirkt, als wolle sie darüber auch nicht sprechen. Schnell bedankt sie sich höflich und wünscht einen schönen Tag. Dann eilt sie davon. Es warten schließlich noch viele andere Gäste.

Update vom 25. Oktober: Am Mittwoch hatte mehrere Medien übereinstimmend berichtet, das "Rach & Ritchy" würde aufgrund von Personalmangel schließen müssen. Auch watson hatte dies unter Berufung auf Recherchen der "Hamburger Morgenpost" geschrieben. Doch fehlende qualifizierte Mitarbeiter seien nicht der Grund, wie TV-Koch Christian Rach nun gegenüber watson erklärte: "Vielmehr schließen die Betreiber das 'Rach & Ritchy', weil sie 10 Jahre über 80 Stunden die Woche mit sehr großem Erfolg gearbeitet haben und jetzt mit um die 60 Jahren einfach kürzer treten wollen, um sich nach einer Auszeit von einigen Wochen/Monaten neu zu orientieren. Was doch auch verständlich ist."

"Fass es nicht an!"

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