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. 11/11/2018. London, United Kingdom. Remembrance Sunday and the Centenary of the Armistice. Queen Elizabeth II accompanied by members of the Royal family including Prince Charles, Prince of Wales and Camilla, The Duchess of Cornwall, Prince William, Duke of Cambridge and Catherine, The Duchess of Cambridge, Prince Harry, The Duke of Sussex and Meghan, The Duchess of Sussex , leaving after a service to mark the centenary of the Armistice at Westminster Abbey in London. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY xAndrewxParsonsx/xi-Imagesx IIM-18831-0145

"The Fab Four" – das war einmal. Zwischen William und Harry soll es kriseln, auch Meghan und Kate sollen sich nicht sonderlich nahestehen. Bild: imago stock&people

Harry-Meghan-Drama zeigt, wie zerrüttet die britische Königsfamilie ist

"I would do anything for love / I'd run right into hell and back", sang Meat Loaf 1993. Bedeutet: "Ich würde für die Liebe alles tun. Ich würde direkt in die Hölle und wieder zurück rennen." Prinz Harry hat in den vergangenen Tagen genau das getan: Für die Royals, selbst Über-Regentin Queen Elizabeth, verkündeten er und Ehefrau Meghan am vergangenen Mittwoch völlig überraschend ihren Rückzug aus dem britischen Königshaus.

Am Montag traf man sich im Landsitz der Queen zum royalen Krisengipfel – ohne Meghan, die sich bereits in Kanada aufhielt und offenbar nur per Videocall zugeschaltet wurde. Danach sicherte die Queen ihrem Enkel und seiner Frau in ihrem Statement "volle Unterstützung" zu.

Doch das Krisentreffen war ein historisch einzigartiger Vorgang: Nicht einmal zum bis dahin wohl schwärzesten Tag in der jüngeren Geschichte der britischen Monarchie, dem Unfalltod von Lady Diana, soll es ein solches Krisentreffen mit hochrangigen Mitgliedern der Royals gegeben haben.

Harrys und Meghans Wunsch nach Freiheit, nach Eigenständigkeit abseits der Krone, zeigt, dass das erste Royal-Couple nun aufbegehrt und die für sie (vor allem für Harry) bestimmte Rolle nicht länger spielen will.

Was der "Megxit" mit der britischen Königsfamilie macht, welche Rollen die jeweiligen Parteien spielen und welch dunkle Seiten zum Vorschein kommen – eine Analyse.

Prinz Harry und Meghan

Sind Meghan und Harry schon bald zusammen in Kanada?

Schon bald gemeinsam in Kanada? Meghan und Harry brachten das Könighaus gegen sich auf. Bild: reuters

Obwohl sie als Hollywood-Schauspielerin an Öffentlichkeit und Paparazzi gewöhnt sein müsste – mit ihrer Rolle im Königshaus tat sie sich schwer. Immer wieder brach sie mit einem zu auffälligen Kleidungsstil und Fan-Selfies das royale Protokoll. Die Presse jagte sie in einem Ausmaß, dass sich Prinz Harry schon an das tragische Schicksal seiner verstorbenen Mutter Diana erinnert fühlte und strafrechtlich gegen mehrere britische Boulevard-Zeitungen vorging.

Doch schon damals konnten Beobachter erahnen: Sich an die königlichen Gepflogenheiten zu gewöhnen, würde Meghan nicht leicht fallen. Und so kam es auch, wie sie zuletzt eindrucksvoll in der TV-Doku "Harry and Meghan: An African Journey" äußerte.

Meghan erklärte in dem Interview, dass sie mit dem royalen Leben überfordert sei: "Ich habe wirklich versucht, diese britische Weise Haltung zu bewahren, zu verinnerlichen."

"Meghan ist eine eigenständige Persönlichkeit, die sich ungern in ein enges Korsett zwängen lässt", erklärt Psychologe und Medienexperte Matthias Herzog im Gespräch mit watson.

"Der Wert 'Freiheit' scheint ihr sehr wichtig zu sein. Meghan möchte sich weiterhin frei entfalten und verwirklichen können. Das komplett aufzugeben, dürfte ihr wie ein Gefängnis vorkommen."

Matthias Herzog, Medienexperte

Und ihr Ehemann? "Auch Harry war schon immer der Bruder, der aus dem Rahmen gefallen ist und den königliche Regeln wenig interessiert haben", sagt Herzog. Und weiter: "Da kommen ihm die Freihheitsgedanken seiner Meghan sehr gelegen."

Bevor die Royals zum Krisentreffen in Sandringham zusammenkamen, war Meghan schon längst nach Kanada geflüchtet. Ein kluger Schachzug, um sich der Kritik nicht direkt stellen zu müssen? Der Experte meint:

"Einerseits werden einige Meghans Schritt so interpretieren, dass sie egoistisch nur ihre eigenen Belange vertritt und das britische Königshaus mit Füßen tritt. Sie wusste ja vorher, auf was sie sich eingelassen hat, als sie Prinz Harry heiratete. Auf der anderen Seite verstummen die Neider und Hater, die ihr vorgeworfen haben, sie würde Prinz Harry nur heiraten, um damit noch mehr Bekanntheit und Aufmerksamkeit zu gewinnen."

Ob Meghan sich zur Joko Ono des britischen Königshauses entwickelt, die alle Verbindungen zu den Windsors kappen lässt? Nicht zwangsläufig. Denn auch Prinz Harry ist diesen Weg mit ihr gegangen.

Prinz Harry und Prinz William

Harry und William

Brüder mit blauem Blut: Prinz William und Prinz Harry (r.). Bild: imago images

Unvergessen sind die Bilder vom September 1997: Ein junger Mann und ein Zwölfjähriger schreiten mit gesenkten Köpfen hinter dem Sarg ihrer Mutter her. 20 Jahre lang habe Prinz Harry die Trauer über den Tod von Diana verdrängt, erklärte er vor ein paar Jahren in einer TV-Doku. Er sei depressiv gewesen. Die große Stütze in dieser Zeit: sein Bruder William. Die Prinzen standen sich all die Jahre über extrem nah, strebten beide Militär-Karrieren an, waren sich gegenseitig Trauzeugen.

Doch mit den Jahren entzweiten sich die Brüder immer mehr. in dem berüchtigten Afrika-Interview erklärte Harry zum Verhältnis der beiden: "Teil dieser Rolle, dieses Jobs und auch dieser Familie ist es unter Druck zu stehen. Es ist unvermeidlich, dass Dinge passieren." Von einem Bruch war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht die Rede: "Wir sehen uns nicht mehr so oft, wie früher, weil wir so viel zu tun haben. Aber ich liebe ihn sehr. Der Großteil von dem, was in der Presse steht, wird einfach so verbreitet. Als Brüder hat man eben gute und schlechte Tage."

William und Harry 1997 bei der Beerdigung von Lady Diana

William und Harry 1997 bei der Beerdigung von Lady Diana. Bild: imago images / UPI Photo

Und dann – dann kam der Instagram-Post.

Laut eines Berichts der britischen "Sunday Times" nehme der zukünftige König William der Aufruhr um seinen Bruder Harry sehr mit. Er sei traurig über die Entwicklungen, einem Freund habe er anvertraut: "Ich habe unser ganzes Leben einen schützenden Arm um meinen Bruder gelegt, ich kann es nicht mehr – wir sind keine Einheit mehr." Er könne jetzt Harry und Meghan nur unterstützen, zitiert die "Sunday Times" William weiter. "Ich will, dass jeder im Team spielt."

In einem gemeinsamen Statement hatten die Prinzen allerdings auch eine "falsche Story" in den britischen Medien dementiert, nach der Prinz William seinen Bruder und dessen Frau aus dem Königshaus "gemobbt" haben soll.

Angeblich, so heißt es, sei William von der ersten Begegnung an nicht freundlich zu Meghan gewesen. Seitdem sei zwischen den Brüdern nichts mehr wie davor. Auch die TLC-Doku "Kate vs Meghan: Princesses at War?" konzentrierte sich auf Spannungen innerhalb des Königshauses. Wie "USA Today" berichtet, soll William die rasante Geschwindigkeit von Meghans und Harrys Beziehung ein Dorn im Auge gewesen sein. So soll William ihn gefragt haben, ob er die Dinge nicht überstürze – Harry soll dies als Angriff auf die Frau, die er heiraten wollte, gewertet haben, was zum endgültigen bruch geführt haben soll.

Die Prinzen widersprachen den Mobbing-Unterstellungen allerdings am Montagvormittag mit einem Statement:

"Trotz klarer Dementis lief heute eine falsche Geschichte in einer britischen Zeitung, in der über die Beziehung zwischen dem Herzog von Sussex und dem Herzog von Cambridge spekuliert wurde. Für die Brüder, die sich so sehr um das Thema der mentalen Gesundheit sorgen, ist der Gebrauch von aufrührerischer Sprache auf diese Weise abstoßend und potenziell schädlich".

William und Harry

Prinz William und Kate

Die Hochzeit von William und Kate.

William und Kate bei ihrer Hochzeit Bild: reuters

Sie sind das Abziehbild eines modernen Royal-Paares: Schön, tüchtig, beliebt und genau den richtigen Tick nahbar genug. Lange hatte Kate auf ihre Rolle als zukünftige Königin hingearbeitet, strebsam die königlichen Gepflogenheiten angenomment, nach der Hochzeit drei ebenso perfekte Kinder zur Welt gebracht. Heute erfüllt sie nicht nur das Image der royalen Über-Mom, sondern auch das der engagierten Frau an der Seite des zukünftigen Königs perfekt aus. Ein bisschen Charity-Arbeit, ein bisschen diplomatischen Dienst leisten – und dabei immer schön skandalfrei bleiben.

Wo Harry und Meghan für Aufbegehren stehen, stehen sie für Traditionen. Aber ist das Kate-William-Modell noch zeitgemäß genug? "Königshäuser müssen heute moderner werden", glaubt Experte Matthias Herzog. Denn:

"Das verstaubte Image und die Denke, sich mehr oder weniger im Königshaus einzuschließen und nur für öffentliche Anlässe ins Licht zu treten, ist veraltet. Das ist vergleichbar mit einem Gefängnis mit festen Ausgangszeiten."

Die Queen und Prinz Philip

Die Queen und Prinz Philip

73 Jahre Liebe: Die Queen und ihr Philip. Bild: reuters

In diesem Jahr feiern die Queen und Prinz Philipp ihren (73.!) Hochzeitstag. Ihre Verbindung überstand die Scheidungen ihrer Kinder Andrew und Charles, die Thatcher- und Blair-Krise, die Brexit-Verhandlungen – und sie wird auch diese Krise überstehen.

Was royalen Berichterstattern aber aufstieß: Bei jeder brenzligen Lage der letzten Jahrzehnte hielt Philip seiner Lizzie den Rücken frei. Er hielt sich zum Zeitpunkt des Krisengipfels zwar in Sandringham Castle auf, nahm aber nicht an den Verhandlungen teil, wie die "Daily Mail" berichtete. Philip, der auch Sohn Charles mit strenger Hand erzogen hat, soll vergangenen Mittwoch "vor Wut Blut gespuckt haben", als er von den Rücktritts-Plänen seines Enkels erfuhr.

Die Queen dagegen äußerte sich in ihrem Statement pragmatisch und will ihrem Enkel entgegenkommen:

"Meine Familie und ich unterstützen Harry und Meghans Wunsch, als junge Familie ein neues Leben zu beginnen."

Queen Elizabeth Buckingham palace

Und auch Medienexperte Herzog weiß: "Die Königin liebt ihren Enkel über alles. Ich kann mir schon vorstellen, dass alle Seiten bemüht sind, hier eine gute Lösung zu finden."

(ab, iger)

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