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Woman scratching arm because it stings

Kaum wird es wärmer, kommen auch schon die Stechmücken. Bild: iStockphoto / AntonioGuillem

Analyse

Stechmückenplage in Deutschland: Biologin erklärt, was da dran ist

Machen wir uns nichts vor, Mücken sind lästige Biester. Nachts halten sie uns vom Schlafen ab, tagsüber sind sie ungeladene Gäste auf Grillpartys oder dem Balkon. Kaum ziehen sie sich zurück, sind wir mit juckenden Quaddeln übersät. Umso schlimmer, dass Deutschland diesen Sommer mit einer Mückenplage zu kämpfen hat – zumindest scheint es so.

Denn laut Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, sei der Wechsel von Feuchte und Wärme in diesem Jahr besonders mückenfreundlich. Entsprechend gut sollen sich die Insekten derzeit vermehren können. Das steht auch in deutlichem Kontrast zu den vergangenen beiden Sommern, die verhältnismäßig trocken waren.

Laut Werner sind hierzulande über 50 Stechmücken-Arten beheimatet. Hausmücken waren in den letzten beiden Jahren besonders präsent. Sie legen ihre Eier in Pfützen und Regentonnen. Wildtierökologin Jennifer Krämer vom Naturschutzbund Deutschland ergänzt im Gespräch mit watson:

"Viele Stechmückenarten entwickeln sich im Wasser. In den meisten Gewässern gibt es aber Fressfeinde. Gerade in Pfützen, Regentonnen oder ähnlichen kleinen bei vermehrtem Regen kurzfristig entstehenden Wasseransammlungen können sich Stechmücken ungestört entwickeln. Sommerliche Temperaturen helfen den Tieren, sich schneller vom Ei bis zur fertigen Mücke zu entwickeln. Bei guten Bedingungen können so gleich mehrere Mückengenerationen entstehen."

Aktuell haben Überschwemmungsmücken Hochkonjunktur. Und die seien laut der Biologin Werner besonders in Regionen verbreitet, wo starke Niederschläge die Pegelstände steigen ließen. Dazu zählen etwa die Oder, der Starnberger See und der Ammersee in Bayern.

In Überflutungsflächen registrierte die Biologin Werner pro Minute einen Anflug von mehr als 100 Überschwemmungsmücken zur Aufnahme einer Blutmahlzeit. Von einer Plage spreche man ab etwa 20 Mücken pro Minute, erklärt sie.

Viele Mücken nicht zwangsläufig schlecht

Allerdings ist ein erhöhtes Mückenaufkommen nicht unbedingt schlecht. Wildtierökologin Jennifer Krämer sagt dazu:

"Von einer Plage würde man aus der Sicht des Naturschutzes nicht sprechen, da die Tiere ein wichtiger Teil des Ökosystems sind. Stechmücken dienen vielen Tieren – wie beispielsweise Fledermäusen oder Vögeln – als Nahrung."

Blöd nur, dass unser Blut für sie wiederum eine Nahrungsquelle ist.

Wo wir uns lieber nicht aufhalten sollten

Da Mücken gerade in Gewässernähe häufig anzutreffen sind, riskieren wir gerade an Seen und Flüssen zerstochen zu werden. Doch auch das Wetter spielt eine Rolle.

"Stechmücken fliegen ungern bei Wind und Regen, aber auch direkte Sonneneinstrahlung finden einige Arten nicht so gut", erklärt Wildtierökologin Krämer.

Landen wir doch mal bei bewölktem Himmel an der Oder, helfe es, lange Klamotten mit etwas dickeren Stoff zu tragen. Die schützen effektiv gegen Stiche. Übrigens ist – entgegen weitverbreiteter Annahme – nicht jede Mücke getrieben von Blutgier. Krämer entzaubert den Mythos, dass alle Stechmücken stechen:

"Nur die weiblichen Stechmücken saugen Blut. Diese brauchen dies, um Eier zu entwickeln. Die Tiere werden durch Geruchsstoffe und das CO2 im Atem angelockt."

Jennifer Krämer

Probleme mit "neuen" Arten

Derzeit besteht zudem das Risiko, dass Stechmückenarten aus wärmeren Regionen einwandern können. Das liegt laut Krämer am fortschreitenden Klimawandel. Zudem können wir Menschen diese Tiere aus dem Urlaub einschleppen und im Zuge dessen Krankheitserreger, etwa das Zika- oder Dengue-Virus, mitbringen.

Unsere heimischen Mücken können diese neu eingebrachten Krankheiten ebenfalls übertragen, "wenn höhere Temperaturen dies ermöglichen", erklärt Krämer.

(tkr/mit Material von dpa)

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