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Dieser Käfer braucht Alkohol, um seine Kinder großzuziehen

Xylosandrus germanus war bereits ein Landwirt, als es Menschen noch gar nicht gab. 

Vermutlich schon seit Millionen Jahren baut dieser Ambrosiakäfer in sterbenden Bäumen ganze Pilzgärten an. Der wichtigster Dünger für den Pilz-Rasen? Alkohol. 

Damit die Kleinen groß und stark werden.

Ein Team von Forschern aus Würzburg, Jena und den USA hat gerade eine Studie im Wissenschaftsmagazin PNAS veröffentlicht, wonach Ambrosiella grosmanniae – der Lieblingspilz der Käfer–  am besten auf Nährböden wächst, die rund 2,5 Prozent Alkohol enthalten.

Der Pilz ist sozusagen der optimale Babybrei: Vor allem die Larven fressen sich damit voll und entwickeln sich prächtig.

Die erwachsenen Käfer ernähren sich aber auch davon.

Pilze und Bakterien mögen Alkohol eigentlich nicht

Deshalb dient Alkohol zum Beispiel dazu, Oberflächen in Krankenhäusern zu desinfizieren oder vor einer Impfung die Haut zu reinigen. Zur Desinfektion kommen aber Konzentrationen von 70 Prozent und mehr zum Einsatz. Dagegen machen den Käfern die 2,5 Promille Prozent in den sterbenden Bäumen nichts aus.

Die moderate Alkoholkonzentration hat mehrere Vorteile:

Bild

Der Xylosandrus germanus Bild: Wikimedia

Wichtig ist, dass der Baum mit Alkohol durchsetzt ist.

Die Forscher haben zum Test Alkoholfallen gelegt. Darauf fliegen die Käfer zwar zuerst auch, doch mit dem Anbau beginnen sie dann nicht.

Die Kombination Alkohol und Holz ist unverzichtbar.

Ambrosiakäfer

Haben die Käfer einen geeigneten Baum entdeckt, transportieren sie ihren Pilz dorthin. Sie verteilen ihn in verzweigten Tunneln, die sie in das Holz bohren. Die Forscher gehen davon aus, dass die Käfer den Alkohol gezielt benutzen, um ihre Nahrungsproduktion zu verbessern. Manche exotische Ambrosia-Käfer-Arten übertreiben es allerdings auch: Sie stürzen sich auf ohnehin geschwächte Pflanzen, die noch lebensfähig sind, und geben ihnen den Rest mit ihren Tunneln.

Ein Leben in perfekter Symbiose: Der Pilz verbreitet sich mit Hilfe des Käfers. Der Käfer ernährt sich vom Pilz.

Zusammen räumen sie außerdem den Wald auf, indem sie den Zersetzungsprozess toter Bäume beschleunigen.

Der Alkohol entsteht übrigens im sterbenden Baum. Während seine Biomasse zerfällt, entwickelt sich Ethanol. Und der zieht den Ambrosiakäfer magisch an.

So kann es sogar passieren, dass das Insekt mal ein Bier mit einem Baum verwechselt. "Die Tierchen kreisen dann ums Glas und suchen ein Stück Holz", sagt Peter Biedermann, der mit an der Studie gearbeitet hat.

"Manchmal fallen sie auch hinein. Von weitem können sie nämlich nicht einmal hochprozentigen Schnaps von einem modernden Ast unterscheiden."

Peter Biedermann

Wenn demnächst also ein ungefähr zwei Millimeter großes, schwarzes Käferchen in deinem Glas zappelt, nicht aufregen: Es hat eigentlich einen sterbenden Baum gesucht.

(Mit dpa und AFP)

In der Redaktion hatten wir noch keine Käfer im Glas. Wäre vor lauter Wut aber vielleicht auch nicht aufgefallen.

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Video: watson/Yasmin Polat, Marius Notter, Lia Haubner

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