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Männer schwitzen mehr als Frauen und 15 weitere Schweiß-Fakten

Daniel Huber / watson.ch

Sommer, Sonne, Schweiß. Doch es ist längst nicht nur die Sommerhitze, die uns die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Wir schwitzen 365 Tage im Jahr – und an jedem einzelnen davon mindestens einen halben Liter –, weil unser Körper so seine Temperatur reguliert. Grund genug, diese wichtige Körperflüssigkeit genauer vorzustellen.

Warum schwitzen wir?

Schwitzen ist lebensnotwendig. Ohne diesen Vorgang könnte unser Körper die Temperatur nicht regulieren und wir würden überhitzen. Wenn die Körpertemperatur über 42 Grad steigt, drohen Schäden am zentralen Nervensystem und im Extremfall der tödliche Hitzschlag mit Kreislaufversagen. Schweiß – gewissermaßen eine körpereigene Kühlflüssigkeit – verhindert dies.

Schweiss wird über die Poren auf die Haut abgegeben und verdunstet dort. Wenn er in Tröpfchenform auf der Haut perlt, erfüllt er seine kühlende Funktion nicht mehr. Nur beim Verdunsten entzieht er der Haut Verdunstungswärme (um 1 l Wasser zu verdampfen, benötigt man 2400 kJ). Das Blut in den Gefässen direkt unter der Hautoberfläche kühlt ab und kühlt über den Blutkreislauf die Organe im gesamten Körper. Bei diesem thermoregulatorischen Schwitzen bleiben Handflächen und Fußsohlen meistens trocken.

Etwas anderes ist es, wenn wir aus emotionalen Gründen schwitzen. Bei Nervosität, Angst, Schmerz oder Stress, aber auch bei Lust und sexueller Erregung, kann es zu Schweißausbrüchen kommen. Dabei schwitzen Handteller und Fußsohlen zuerst. Weitere Gründe für Schweißausbrüche können hormonelle Umstellungen – beispielsweise in den Wechseljahren – oder Krankheiten sein.

Wie viel schwitzen wir?

Pro Tag verdunstet mindestens ein halber Liter Schweiß auf unserer Haut. Bei Hitze oder starker Anstrengung können es bis zu 1,8 Liter pro Stunde oder zwölf Liter am Tag sein. Hochgerechnet verlieren wir während unseres gesamten Lebens rund 26.000 Liter Schweiß.

Neben der Temperatur gibt es noch weitere Faktoren, die einen Einfluss auf die Menge haben, zum Beispiel Herkunft, Alter, Körpergewicht oder körperliche Verfassung: So schwitzen Menschen aus Asien im Schnitt weniger als Europäer und Nordamerikaner, Übergewichtige mehr als Dünne, Alte weniger als Junge.

Wie viel sollte man trinken?

Wer schwitzt, muss auch wieder Flüssigkeit zu sich nehmen. Pro Tag sind das bei einem normal schwitzenden Erwachsenen mindestens zwei bis drei Liter – und die sollte man nicht aufs Mal trinken, sondern über den Tag verteilt. Der Körper kann im Schnitt nur 0,8 Liter pro Stunde verarbeiten. Wenn man zu viel aufs Mal trinkt, können wichtige Mineralien aus dem Körper gespült werden und die Salzkonzentration so stark abfallen, dass Desorientierung und Kreislaufstörungen drohen.

Umgekehrt ist es aber auch nicht gut, zu wenig zu trinken – etwa weil man denkt, so das Schwitzen vermindern zu können. Das ist gefährlich und kann mit einer lebensgefährlichen Dehydrierung enden.

Wie viele Schweißdrüsen besitzen wir?

Es sind mehr als zwei Millionen Schweißdrüsen, die sich auf der gesamten Körperoberfläche außer den Lippen und der Eichel befinden. Männer besitzen im Schnitt etwa 2,5 Millionen, Frauen rund 1,8 Millionen. Am stärksten sind sie auf der Stirn, den Handflächen und den Fußsohlen konzentriert.

Wir verfügen über zwei Arten von Schweißdrüsen: Die über den ganzen Körper verteilten sogenannten ekkrinen Drüsen dienen vornehmlich der Kühlung. Die etwas größeren apokrinen Schweißdrüsen, auch Duftdrüsen genannt, befinden sich nur in den Achselhöhlen, im Genital- und Analbereich und an den Brustwarzen. Sie werden erst in der Pubertät aktiv.

Woraus besteht Schweiß?

Schweiß ist mit einem pH-Wert von 4,5 sauer und besteht zu etwa 99 Prozent aus Wasser. Daneben enthält er Natriumchlorid (Kochsalz), Kalium und Mineralstoffe – daher der salzige Geschmack. In geringen Mengen sind auch Laktate, Aminosäuren, Ammoniak und Harnstoff im Sekret enthalten. Schweiß bildet auf der Haut einen Säureschutzmantel, der Krankheitserreger abwehren kann.

Der Schweiß aus ekkrinen Drüsen ist dünnflüßiger als jener der apokrinen Drüsen. Er ist geruchlos und klar. Das Sekret aus apokrinen Drüsen hat eine milchigere Konsistenz und enthält Pheromone, die das Sexualverhalten beeinflussen.

Warum riecht Schweiß unangenehm?

Frischer Schweiß ist zuerst völlig geruchlos – nur in der Pubertät kommt es zuweilen vor, dass frischer Schweiß bereits riecht. Der Geruch entsteht erst durch die Aktivität von Bakterien, die langkettige Fettsäuren in kürzere Ketten zerlegen. Diese Bakterien besiedeln vorzugsweise die warme und feuchte Achselhöhle. Der Körpergeruch eines Menschen wird daneben noch durch die Nahrung beeinflusst und hängt auch mit Duftstoffen in Duschmitteln und Chemikalien in Textil-Waschmitteln und dergleichen zusammen.

Frauen riechen im Allgemeinen schwächer und eher säuerlich, Männer stärker und stechender. Das liegt daran, dass im Schweiß auch Abbauprodukte des Testosterons ausgeschieden werden, und bei Männern liegt der Gehalt an diesem Sexualhormon sechsmal höher. Bakterien bauen das Androstadienon über Androstenol zu Androstenon ab, das in hohen Konzentrationen abstoßend riecht und an Uringeruch erinnert. Wer übrigens die Achselhaare rasiert, kann den Körpergeruch etwas reduzieren, da diese Haare den Bakterien ideale Lebensbedingungen bieten.

Kann man Angstschweiß riechen?

Tatsächlich scheint es so, dass wir Angstschweiß – wenn auch unbewusst – wahrnehmen können. Eine Studie von Wissenschaftlern an der State University of New York wies jedenfalls nach, dass Menschen, die den von Duftdrüsen ausgeschiedenen Angstschweiß von anderen Personen gerochen hatten, ebenfalls in Unruhe versetzt wurden. Der Geruch aktivierte bei ihnen die Amygdala, das Furchtzentrum im Gehirn. Der Geruch von Angstschweiß liess sich zwar nicht beschreiben, war aber dennoch wirksam – Angst ist auch über Geruch ansteckend.

Warum schwitzen Männer mehr als Frauen?

Männer schwitzen in der Tat mehr als Frauen. Zum einen besitzen sie mehr Schweißdrüsen, zum andern bewirkt das männliche Sexualhormon Testosteron eine verstärkte Absonderung von Schweiß. Männer beginnen zudem früher zu schwitzen als Frauen, weil ihr "Kühlsystem" schneller anschlägt – bei Frauen dauert es länger, bis die Kühlung einsetzt. Überdies haben Männer einen höheren Wasseranteil als Frauen.

Kann man durch Schwitzen abnehmen?

Schwitzen ist kein Mittel zur Gewichtsreduktion. Wir verlieren beim Schwitzen nahezu ausschließlich Wasser, das bei der nächsten Flüssigkeitsaufnahme dem Körper wieder zugeführt wird. Fett hingegen schwitzen wir nicht aus. Der Mythos, man könne durch Schwitzen abnehmen, wird möglicherweise durch die Waagen befördert, die zuverlässig in fast allen Saunen stehen.

Ebenfalls verbreitet ist die Annahme, man könne Giftstoffe durch Schwitzen aus dem Körper ausscheiden. Sie ist ebenso falsch. Die Schweißdrüsen übernehmen durch Abgabe von Stoffwechselprodukten und Elektrolyten nur einen sehr geringen Teil der ansonsten über die Nieren erfolgenden Entgiftung.

Schwitzen Sportler mehr?

Wer schnell schwitzt, ist nicht etwa nicht in Form – im Gegenteil: Je früher man schwitzt, desto fitter ist man vermutlich. Sportler, die über lange Zeit hinweg ihre Ausdauer trainiert haben, beginnen früher zu schwitzen, so dass ihre Körpertemperatur später und langsamer ansteigt als diejenige von Untrainierten. Obendrein schwitzen Sportler effizienter: Sie verlieren weniger Flüssigkeit und weniger Salze. Sie schwitzen also schneller, insgesamt aber weniger.

Schwitzen alte Leute weniger? Und riechen sie anders?

Die Funktionsfähigkeit der Schweißdrüsen nimmt im Lauf der Jahre allmählich ab. Alte Leute schwitzen deshalb weniger und haben entsprechend mehr Mühe damit, ihre Körpertemperatur zu regeln. Bei Hitze sind alte Leute besonders gefährdet und sollten deshalb viel mehr trinken als bei normaler Umgebungstemperatur. Übrigens kann auch das Schwitzen ein Stück weit trainiert werden; wer bewusst regelmäßig schwitzt, hält seine Schweißdrüsen länger in Schwung.

Im Alter verändert sich aber nicht nur die Quantität des produzierten Schweißes, sondern auch dessen Qualität. Offenbar ändert sich die Zusammensetzung des Sekrets – zumindest legen das die Ergebnisse eines Experiments von amerikanischen Neurobiologen nahe. Die Testpersonen waren in der Lage, Duftproben jeweils einer der drei Altersgruppen jung, mittelalt, alt zuzuordnen.

Kann man farbig schwitzen?

Es gibt Menschen, die farbigen Schweiß absondern, und zwar in den vier Varianten rot, grün, blau und braun/schwarz. Die Ursache für diese extrem seltene Krankheit, deren Fachbegriff "Chromhidrose" lautet, ist bisher nicht bekannt. Die Ärzte vermuten, dass bei dieser merkwürdigen Verfärbung das sogenannte Alterspigment Lipofucsin eine Rolle spielt. Das stark fetthaltige Pigment ist auch für die Bildung von Altersflecken verantwortlich.

Wie wirken Deos?

Gegen Schweißgeruch wenden wir Deodorants oder Antitranspirantien an. Deos enthalten geruchshemmende Inhaltsstoffe, die den Schweißgeruch überdecken (durch Duftstoffe) oder absorbieren. Antimikrobielle Stoffe reduzieren die Bakterien, die den Schweiß zersetzen und so erst dessen Geruch erzeugen. Deos können auch schweißhemmende Inhaltsstoffe (Antitranspirantien) enthalten, jedoch meist in geringerem Mass.

Antitranspirantien hingegen verengen oder verschließen für eine bestimmte Zeit die Poren der Schweißdrüsen und verringern so die Schweißsekretion um etwa die Hälfte. Sie wirken damit nicht nur gegen den Geruch, sondern auch gegen Achselnässe. Verantwortlich dafür sind Aluminiumverbindungen. Diese stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, obwohl es keinerlei Beweise dafür gibt. Die tägliche Menge an Aluminium, die man über die Nahrung oder das Trinkwasser aufnimmt, ist grösser als jene, die über die Haut in den Körper gelangt. Dennoch raten manche Experten, Antitranspirantien oder aluminiumhaltige Deos nicht unmittelbar nach der Rasur der Achselhaare anzuwenden.

Kann man zu viel schwitzen?

Eine Überfunktion der Schweißdrüsen, die eine übermäßige Schweißproduktion verursacht, nennt man Hyperhidrose. Die Krankheit kann sich auf der gesamten Hautoberfläche oder nur an bestimmten Stellen manifestieren. Manche Patienten betrachten die Hyperhidrose gar nicht als Krankheit, obwohl sie unter den Folgen leiden und sich im sozialen Leben eingeschränkt fühlen.

Die Behandlung erfolgt mit Antitranspirantien, Medikamenten oder in schweren Fällen mit chirurgischen Eingriffen, bei denen die vegetativen Nervenbündel durchtrennt werden, die die Schweissdrüsen anregen. Eine weitere Methode besteht darin, das Nervengift Botox (Botulinumtoxin, ein Protein des Bakteriums Clostridium botulinum) in besonders anfällige Stellen zu spritzen, beispielsweise in die Achselhöhlen. Die Wirkung setzt nach wenigen Tagen ein und hält etwa sechs bis zwölf Monate an.

Gibt es Leute, die nicht schwitzen können?

Es gibt zwar keine Menschen, die überhaupt nicht schwitzen können, aber es kommt in sehr seltenen Fällen vor, dass Patienten auf einer Körperseite nicht schwitzen – obwohl sie dort ebenfalls voll ausgebildete und funktionstüchtige Schweißdrüsen besitzen. Die Ursache für dieses 1958 erstmals beschriebene Ross-Syndrom, das oft mit weiteren neurologischen Störungen einhergeht, ist bisher unbekannt. Die Patienten kompensieren den Ausfall der Schwitzfähigkeit durch vermehrtes Schwitzen auf der gegenüberliegenden Körperseite.

Eine verminderte Schweißproduktion nennt man Hypohidrose. Ist die Schweißbildung stark vermindert oder ganz aufgehoben, spricht man von einer Anhidrose. Anhidrosen sind meistens krankheitsbedingt und treten lokal begrenzt auf. Wenn sie jedoch große Teile des Körpers betreffen, kommt es zu Störungen der Thermoregulation bis hin zum Hitzschlag.

Schwitzen Schweine?

Schweine haben keine Schweißdrüsen – außer im Bereich der Rüsselscheibe – und können darum nicht schwitzen. Abkühlung finden sie, wenn sie ein kühles Plätzchen aufsuchen oder sich im Schlammbad suhlen. Auch Hunde haben nur wenige Schweißdrüsen, nämlich an den Fußballen. Sie hecheln deshalb und verdunsten Flüssigkeit über Nasen- und Mundschleimhäute. Katzen verfügen noch an weiteren Stellen über Schweißdrüsen, aber auch sie können nicht ausreichend schwitzen, um ihre Temperatur zu regeln. Sie lecken bei Hitze ihr Fell, um Verdunstungswärme loszuwerden, oder hecheln, wenn das nicht reicht. Elefanten und Kaninchen kühlen sich über ihre gut durchbluteten Ohren.

Dagegen haben Primaten wie der Mensch Schweißdrüsen, wenn auch nicht so viele. Auch Pferde und Rinder verfügen über Schweißdrüsen am gesamten Körper und können entsprechend gut schwitzen. Auch Kamele können schwitzen, sie tun es allerdings erst ab einer Körpertemperatur von 41 Grad.

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